Ich bin im Fernsehen!

Naaaa fast!

Es gibt auf der Seite  Einblick ein neues Monatsthema und neue Interviews dazu.

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Unsere älteste Tochter Maren und ich sind dieses Mal Interviewpartner zum Thema Unabhängigkeit:

Video Perpektivwechsel

 

Und unsere jüngere Tochter Caro hat einen sehr schönen Artikel dazu verfasst, was aus ihrer Sicht Unabhängigkeit bedeutet:

Unabhängigkeit

Das waren sehr aufregende Stunden im Filmstudio. Ich war noch nie in einem echten Filmstudio!

Wir waren in den Hamburger Studios, in denen der Kieler Borowski Tatort und der Notruf Hafenkante gedreht werden. Irre sowas!

Maskenbildner, Tontechnik, Licht von überall her. Du sprichst mit einer Kamera. Eine völlig neue Welt!

Es hat viel Spaß gemacht und Sabine hat es super toll umgesetzt!

Camping

ist so gar nicht meins…..

War bisher meine Meinung. Diese Waschhäuschen, wo man vom Wohnwagen aus mit der Toilettenrolle unterm Arm kilometerweit hinpilgert, sind nicht meine Welt.

Toilettenpapier

Inzwischen hat sich waschhäuschenmäßig eine Menge getan. Diese Häuschen sind besser ausgestattet als mein Bad daheim und alle modernen Wohnwagen haben eine eigene Toilette.

So ging mir eines Tages ein Campinglicht auf!

Ich will was von der Welt sehen! Und zwar sofort! Wer weiß, was die olle Tante MS noch so mit mir vorhat und da will ich vorher wenigstens noch Italien gesehen haben!

Ich will eine echte italiensche Pizza und ein echtes italienisches Eis essen!

Pizza

Das will ich unbedingt! Ich war tatsächlich noch nie in Italien.

Wir gingen auf die Suche nach einem älteren Wohnwagenmodell (mit Toilette) zum Ausprobieren.

Wir wurden auch fündig, der Wohnwagen war recht betagt, sah aber noch gut in Schuss aus und so wechselte das Gefährt den Besitzer. Wir haben gar keine Ahnung, wie ein „betagter Wohnwagen, aber gut in Schuss“ auszusehen hat. Wir waren nur der Meinung, dass es so war. Wir blätterten eine nicht unerhebliche Summe auf den Tisch und zuckelten glücklich nach Hause.

WW-Seite

Am selben Abend, beim Rangieren des Gefährts auf unserem Grundstück hatte unser Sohn einen Rangiergriff in der Hand, er hatte sich ganz unelegant aus seiner Verankerung gelöst.

Macht ja nix, ist ja auch ein älteres Modell, aber gut in Schuss!

Mein Mann wollte den Rangiergriff wieder neu befestigen und stieß dabei auf des Campers Alptraum!

Die gesamte Seite des Wohnwagens war weggegammelt. Beziehungsweise das Holz dahinter! Bei der Gelegenheit fiel uns auf, dass im anhaltenden Dauerregen des Tages das Wasser ebenfalls recht unelegant neben der Aufbautür an der Wand herunterlief!

Wir waren geschockt und völlig paralysiert.

Was sollten wir jetzt machen? Keiner von uns hatte auch nur den Hauch einer Ahnung, wie wir das reparieren sollten.

Wir schleppten das marode Häuschen zu einem Händler, der unser Gefährt in Augenschein nahm und lapidar meinte, das Ding wäre keinen Pfifferling, geschweige denn Euros wert.

Ich sah unser Geld gerade zum Schornstein hinausflattern.

Völlig unerwartet  einigten wir uns mit dem Vorbesitzer auf eine Minderung der Kaufsumme und stellten das morsche Wägelchen in bekannten Portalen ein. Natürlich erwähnten wir sämtliche Undichtigkeiten. Am selben Tag noch machte es sich mit seinen neuen Besitzern auf zu neuen Ufern.

Wir hatten nun unser Geld wieder, aber keinen Wohnwagen!

Italien, adé……

Vogel mit Ballon

Ich war ziemlich frustriert und traurig über unseren Missgriff. Am Schlimmsten waren die Tage, in denen wir gegrübelt haben, wie es mit diesem Torf-Wohnwagen an der Backe nun weitergehen sollte. Wir hätten nicht gedacht, dass der Verkäufer uns Geld wiedergibt. So ist es ja gut für uns ausgegangen, aber ich war restlos bedient.

Nichts desto trotz habe ich mit einem Auge immer wieder mal nach Wohnwagen im Netz Ausschau gehalten. Mein Mann hatte  ganz klare Ansagen gemacht:

Nix mehr mit „betagter Wohnwagen, aber gut in Schuss!“

Neu, mit Garantie und vom Händler, das waren die Bedingungen für eine neue Wohnwagen-Attacke.

Das Problem war da eher unser Budget. Neue Wohnwagen sind recht teuer.

Wir sind bei der Firma Sunlight fündig geworden. Ich habe unseren Wohnwagen gefunden!! Hurra!

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Im Osten der Republik, in Naumburg bei Caravan-Rossol sind wir fündig geworden!

Es ist ein Sunlight C 44D geworden, ein Jahr alt, neuwertig, mit Markise und Garantie!

Wohnwagen

Wen es interessiert: Das Wägelchen wiegt nur 1050kg, hat ein Festbett, eine Rundsitzgruppe, Kühlschrank, Herd, Spüle und natürlich eine Toilette und ein Waschbecken!

Italien, ich komme wohl doch noch!!

italienischeFlagge

Planungen

Die Welt ist groß, bunt und voller Fragen.

Wenn ich morgens durch den Wald stratze, frage ich mich solche Dinge wie:

Woher weiß ein Eichhörnchen, wann es aufhören kann Nüsse zu sammeln? Woher weiß es, wann die Nüsse für den Winter ausreichen?

Oder sammelt es einfach Nüsse, bis es keine mehr findet oder bis es ich zur Winterruhe begibt?

Eichhörnchen

Plant ein Vogel seinen Tag?  Stellt er eine Art Überlegung an:

-“ Oh, Futter ist alle, ich muss los, welches suchen!“

Oder sowas wie:

-„Oh Frühling, ich baue mal ein Nest, mach mich hübsch und übe dann schön trällern, falls es noch nicht dunkel ist?“

Überlegt ein Wildschwein, ob es sich lieber in die nächste Suhle schmeißt, oder ob es sich doch lieber auf die Suche nach etwas Fressbarem macht?

Oder ist das ausschließlich menschlich?

Meistens bekommt  ein Mensch nicht mal die Planung des nächsten Satzes hin, der ihm oder ihr aus dem Mund purzelt.

Oder die Überlegung setzt erst  hinterher ein, was der Sache dann auch nicht mehr dienlich ist.

Nutzt es was, wenn ein Mensch mit MS seinen Tag oder gar ein Leben damit plant?

Oder soll der/die einfach so in den Tag hineinleben und soll froh sein, wenn alle sieben Sinne in der nächsten halben Stunde noch halbwegs intakt sind?

Wie weit soll oder kann Mensch vorplanen?

Letztens habe ich folgendes Statement dazu  gelesen:

„Chronisch kranke Menschen oder Patienten mit einer lebensbedrohlichen Krankheit sollten höchstens ihren Tod planen. Das Leben sollten sie dankbar jeden Tag so nehmen, wie es ist.“

erhobener Zeigefinger

Da kann ich blau, grün und ganz und ganz und gar dunkelrot ärgerlich bei werden.

Bin ich ein Vogel, ein Eichhörnchen oder ein Wildschwein?

Planen ist menschlich. Es ist noch nicht einmal das Recht dazu nötig. Selbst ein Mensch in der allerentrechteten Zone kann planen. Planen findet im Kopf statt.

Wenn es mich glücklich und sicherer macht, dann plane ich, wenn ich lieber in den Tag hineinlebe, dann bin ich eben ein Eichhörnchen, ein Vogel oder ein Wildschwein. Wobei die Frage der tierischen Planung sicher noch einer Studie bedarf! Oder schon bedurft hat? Vielleicht ist die Frage längst geklärt und ich mache mir umsonst einen Kopf darum?

Das ist pupsegal. Zumindest in Bezug auf meine Planungen.

Ich habe auf jeden Fall ganz fest geplant, noch ganz schön lange auf der Erde herumzuwandern.

Über meinen Tod habe ich mir tatsächlich Gedanken gemacht und diese auch der Nachwelt in Form einer Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht kundgetan.

Bääääähmmm, da hast du es, du Spielverderber!

Wer auch immer diesen hässlichen Satz (siehe oben, kursiv gesetzt) vom Stapel gelassen hat, der soll ganz langsam vor einem vollen Teller Spaghetti verhungern!  (Das wäre der schlimmste Tod, den ich mir vorstellen kann )

In der Zeit, die das dann dauert, plane ich unseren nächsten Urlaub…..

VW Bus

 

 

Kleines grünes Ding

Die gemeine menschliche Psyche ist vielschichtiger als ein Marmorkuchen, das ist zumindest meine Wahrnehmung.

Manchmal mache ich komische Dinge, weil ein kleines grünes Ding in meinem Ich das so will.

Zwangshandlungen

So heißt das im Psychologen-Fachgesimpel.

Bevor nun Jemand sich angewidert abwendet und meint, er oder sie hätte solch Beklopptenstörung nicht, der möge mal tief in sich gehen.

Das bekannteste Phänomen ist wohl vor dem aus dem Haus gehen das Überprüfen, ob der Herd  oder die Kaffeemaschine noch an ist.

Da ist man längst in Stiefel, Jacke, Mütze, Handschuhe geschlüpft, steht in der Tür, um der häuslichen Wärme zu entrinnen und zack!

Da isses!

Das kleine grüne Ding im Kopf, das streng befiehlt, gestiefelt und gespornt noch mal zurückzumarschieren, um nachzusehen, ob eben Herd und Kaffeemaschine „off“ sind. Und wo man schon mal dabei ist, latscht man voll angerödelt mit Winterausrüstung auch noch in den ersten Stock um nachzusehen, ob das Fenster im Bad auch wirklich geschlossen ist.

Ach ja, das ist ja harmlos. Es ist ja wichtig, diese Dinge nachzusehen.

Das stimmt, aber ich gucke auch nach, wenn ich eigentlich genau weiß, weder Herd noch Kaffeemaschine waren überhaupt angeschaltet!

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Da wirds doch komisch, oder?

Ich kann aber noch einen Komischer:

Ich halte mich nicht für besonders penibel, schon gar nicht bei der Hausarbeit. Ich habs gern ordentlich, mag nicht über Dreck und Unrat stolpern, laufe aber auch nicht den ganzen Tag mit dem Lappen umher.

Bis auf eine Sache:

Wäsche aufhängen! Da bin ich päpstlicher als der Papst. Jedes Teil hängt rechts auf der Leine, ich würde niemals ein Teil aufhängen, das auf links gedreht ist. Alles hängt ordentlich in Reih und Glied, T-Shirt neben T-Shirt, Handtuch neben Handtuch, Socke neben Socke…..

Apropos Socken:

Socken aufhängen unterscheidet sich dann doch von der anderen Wäsche, allein schon dadurch, dass alle Socken handgestrickt sind. Ausnahmslos alle! Ich stricke gern Socken und meine Leute, mich eingeschlossen, tragen sie gern.

Jede Socke hängt mit der Fußspitze nach links, jede Socke ist auch in diese Richtung geradegedrückt, jedes Sockenpaar hängt natürlich nebeneinander und! wenn eine einzelne Socke dazwischenliegt oder hängen muss, weil die Zweite Dazugehörige noch in irgendeinem Hosenbein steckt, dann stört mich das ungemein!

Socken

Jetzt kommt das total ganz grüne Ding!

Wenn alles aufgehängt ist, zähle ich die Sockenpaare!

Nur die Socken, nichts Anderes!

Weil ich weiß, dass das total gaga ist, ermahne ich mich also dazu, das sein zu lassen. Mit dem Erfolg, dass ich aus dem Augenwinkel heraus doch die Paare zähle oder zumindest überschlage.

Ich überliste mich selbst oder das grüne Ding in meinem Kopf, das die blöden Socken unbedingt gezählt haben will.

Da mir das selber spanisch vorkommt, habe ich mal in meinem eigenen Innern nachgeforscht, woher das Gaga-Verhalten wohl herrührt.

Anfangs, also am Anfang der selbstgestrickten Socken war ich stolz auf jedes Paar, das fertig gestrickt von meinen Nadeln gehüpft ist. Ich war auch stolz, wenn 10 Paar Socken auf der Leine hängen und meine Leute trotzdem noch selbstgestrickte Socken tragen konnten, weil sie genug davon vorrätig haben. Inzwischen haben wir alle genug Socken, um eine ganze Fußballmannschaft wochenlang zu bestücken und trotzdem zähle ich die Sockenpaare, die ich auf die Leine hänge.

Da mag man mal tiefenpsychologisch darüber nachsinnieren.

Da hilft es auch nix, wenn aus dern Verwandten- und Bekanntenszene die eine oder andere Offenbarung zu Tage tritt und Jemand zugibt, dass er oder sie solch „grüne-Ding“-Anwandlungen hat.

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Da gibt es Jemanden, der muss immer, wirklich immer, bevor er auf die Toilette geht, einmal spülen! Vorher!

Oder das ständige Zurechtrücken von Dingen, die auf dem Tisch liegen, so dass sie immer einen rechten Winkel ergeben.

Ganz und gar nervös macht mich Jemand, der vor dem Aus-dem-Haus-gehen geschlagene zwanzigmal im Spiegel überprüft, ob die Haare sitzen und ob sich ja kein Petersilienkrümel in den Zähnen verfangen hat. Wenn eben kein Krümel da war und man nichts gegessen hat in den letzten fünf Sekunden, dann wird auch jetzt kein Krümel da sein. Dieses theoretische Wissen nutzt nichts, es werden trotzdem noch siebzehn Mal die Zähne gefletscht und die Haare überprüft.

Ein bißchen beruhigt hat mich das Geständnis einer Bekannten, die hinter vorgehaltener Hand zugegeben hat, dass sie immer auf dem Weg zum Bus die quadratischen Straßenplatten zählt, die sie entlanggeht. Auf meine Frage, ob das beim täglich gleichen Weg nicht sowieso immer die gleiche Anzahl ergibt, hat sie nur die Schultern gezuckt. Noch Jemand, der blödsinnigen Kram zählt, so wie ich die Sockenpaare auf der Leine.

Meine kleine Recherche hat also ergeben, dass das kleine grüne Ding im Kopf, das unbedingt bestimmte Dinge will, doch ganz schön weit verbreitet ist.

Da drängt sich mir die Frage auf, ab wann so ein grünes Ding die Kurve nicht mehr kriegt und auf die Couch gehört?

Ich denke, solange ich meine gezählten Sockenergebnisse nicht in eine Exceltabelle eingebe, mit einer Primzahl multipliziere und das Ganze dann durch die Anzahl der Tabletten teile, die ich täglich nehmen muss, ist tatsächlich alles grün!

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Snusel goes Hamburg

Moin, moin ihr Lieben oder Ahoi, wie der Hamburger sagt.

Wir haben ein absolut tolles Wochenende in Hamburg verlebt!

Die Seite Einblick bekommt ein neues Outfit und unsere tolle Bloggertruppe ist sozusagen Hauptbestandteil der neuen Fotos, die die Seite zieren sollen.

Die Agentur CircleComm begleitet und betreut uns perfekt durch das Projekt. Danke an Jenny und Sarah! Es war toll!

Wir waren in einem  Hotel mit dem schönen Namen Fritz-im-Pyjama untergebracht. Es liegt mitten im Schanzenviertel. Näher an der Partymeile kann man nicht sein.

Nachts mit unserer Boxerhündin durch den Schanzenpark zu marschieren, war ein echtes Erlebnis!

Am Sonntag, 3. April war ein Fotoshooting in einem gemieteten Atelier in Hamburg angesagt. Den ganzen Tag durch wurden wir fotografiert und auch dabei gefilmt. Für uns gab es ein Team, das sich um unser Äußeres gekümmert hat. Roman, du bist einmalig!

Maske

Verschiedene Themenbereiche wurden durch die Fotos dargestellt, wir hatten einen Mordsspaß:

Yogapose

Fotografieren, filmen, Tonaufnahmen, eine völlig neue Welt!

Kamera_Jonas

Das tollste Foto des Shootings ist mehr am Rande enstanden, unser Fotograf hat mein liebes Boxermädchen abgelichtet:

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Interview

Moin Leute,

ich werde noch ganz eingebildet, bestimmt….

ich habe ein Interview gegeben über mein Leben mit der ollen Tante MS.

Mama Schulze, alias JuSu kenne ich vom Bloggen, wir treffen uns im Rahmen eines Bloggerprojekts regelmäßig. Sie hat ein Interview mit mir geführt, das hier veröffentlicht wurde:

Die MS bei Christina von Snuselswelt & Snuslland

 

Liebe JuSu, danke für die nette Zusammenarbeit! smiley_emoticons_herzen01

Räume

Ich mag es, wenn ich Raum habe, Platz mich zu entfalten. Platz und Raum zum Leben.

Wer mag das nicht? Habe ich zumindest gedacht. Im Laufe der Zeit ist mir aufgefallen, dass erstaunlich viele Menschen diesen Raum gar nicht brauchen oder nicht nutzen.

Im Gegenteil,  mir begegnen Menschen, die dauernd Jemanden brauchen, der ihnen sagt, wann sie wohin gehen sollen, was sie tun und lassen sollen.

Im Arbeitsleben ist das normal als Arbeitnehmer/in. Aber im Privatleben? Ich halte die Luft an, wenn mir Paare begegnen, in denen vorzugsweise der Mann seiner Frau Dinge erlaubt oder verbietet. Und das ganz öffentlich.

– „Meine Frau würde nie so einen Fummel anziehen. Das würde mir gerade noch fehlen!“

Aussage eines Ehegatten zum Thema kurzer Rock. Ich saß erstaunt da. Erstaunt nicht darüber, dass es um einen kurzen Rock geht, erstaunt darüber, dass der Kerl sich anmaßt, zu entscheiden, was sein „Frauchen“ tragen darf und was nicht.

Was tat „Frauchen“? Senkte sittsam den Blick und das Thema war erledigt.

Ich wette, dass dieser Mann jeder Fau im kurzen Rock nachguckt.

Minirock

Okay, das ist eine Annahme, aber die Wahrscheinlichkeit ist schon hoch, oder ?

Rein gesetzlich gibt es so etwas in Deutschland nicht. Da kann Frau ganz und gar entscheiden, was sie tut und lässt, was sie trägt und was nicht.

Selbstbestimmung.

Im Angesicht meiner Erkrankung ist es mir immer wichtiger geworden, selbst bestimmt zu leben.

Allein zu entscheiden, was ich wann tue und was nicht. Seitdem regen mich solche Verhältnisse noch mehr auf.

Ich bin ein Mensch, der gern selbst bestimmt lebt und das auch vom Rest der Bevölkerung annimmt oder es ihr zugesteht.

Nervt mich wirklich der blöde Kerl, der seiner Frau den kurzen Rock verbietet? Oder regt mich noch mehr die Frau auf, die sich dem Verbot beugt?

Nach langem Nachgrübeln bin ich doch eher zu einem ganz anderen Ergebnis gekommen:

ich habe große Angst  vor dem Tag, der ein selbst bestimmtes Leben nicht mehr zulässt. Der Tag, an dem ich nicht mehr allein leben kann, an dem ein Pflegedienst darüber entscheidet, ob ich mich wasche oder nicht, ob ich esse oder nicht, ob ich was trinken kann oder soll.

Rollstuhl_Pflege

Der Tag, an dem ich nicht mehr bestimmen kann, ob ich bekleidet mit Minirock und Chanellippenstift in die Stadt fahre um eine Freundin zu treffen oder ob mich ein Fahrdienst zum geselligen Beisammensein beim Caritastreffen abholt.

Das ist das Schlimmste, was ich mir in meinem zerbombten Hirn vorstellen kann.

Da gehen mir auch Ironie, Wortwitz und Klamauk aus. Davor habe ich Angst.

Im Moment genieße ich meine Räume, ich genieße es, in meinem Rahmen tun und lassen zu können, was ich möchte.

Meine Kreativität ausleben zu können empfinde ich als Geschenk, als Preis für die Krankheit, die mich heimgesucht hat.

Man kann keinen Deal mit dem Schicksal machen, das ist mir klar, das habe ich ja selber schon ausreichend erlebt.

Aber hoffen kann ich ja, was ich möchte.

Hoffe ich also das Beste!

Daumen hoch

 

 

 

Kleine Scherben

Manchmal zerbrechen Dinge ganz plötzlich. Zack, sind sie kaputt. Man hat nicht damit gerechnet und im nächsten Moment ist es passiert. Es liegt in Scherben.

Bei alltäglichen Dingen ist das kein Drama, man fegt es auf, schmeißt es in den Mülleimer und hat es dann auch schon vergessen. Das Einzige, was vielleicht nachhallt, ist der Ärger über die eigene Ungeschicklichkeit.

Bei Dingen, die mit einer Erinnerung verknüpft sind, ist es anders. Wenn diese Dinge zerbrechen, passiert etwas mit  uns und unserem Gemüt.

Es zerbricht mehr als nur ein kleiner Gegenstand.

Herbstblaetter

Manchmal gehen Dinge langsam dahin. Erst ist nur an kleinen Stellen der Lack ab, die Farbe ist nicht mehr so frisch, man hat das Gefühl, der Staub der Jahre lässt sich nicht mehr ganz entfernen.

Es ist auch nicht so, als ginge es kaputt, es schwindet irgendwie, so als würde es langsam aber sicher kleiner, weniger werden.

Mir geht es mit kleinen Dingen so, die ich aus nostalgischen Gründen aufgehoben habe.

Kleine Basteleien aus der Kindergarten- und Schulzeit der Kinder.

Ein kleiner Blumenanstecker von einem längst vergangenen Fest.

Eine kleine Haarspange, an der die kleine Blume abgegangen ist, die ich längst hätte kleben wollen. Nun braucht sie Keiner mehr. Aber sie ist immernoch da. Auch die kleine abgebrochene Blume ist noch da.

Das blaue Tontier, das auf meiner Fensterbank steht, wo Keiner weiß, was es eigentlich für ein Tier ist. Ihm fehlt inzwischen ein Ohr, aber es steht nach wir vor dort und zählt eisern Tage, Wochen, Monate und Jahre.

Diese Dinge sind wie Zeitzeugen, die stumm aber bestimmt darauf hinweisen, dass Zeit vergeht. Immer und unaufhörlich.

Diese Dinge gehen auch nicht kaputt, auch wenn sie tatsächlich plötzlich zerbrechen. Sie schwinden, verwehen, hallen immernoch nach.

Sie erinnern an Zeiten, Ereignisse, Reisen oder auch vergangene oder bestehende Lieben.

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Sie können tröstlich und irgendwie warm sein und uns glücklich machen. Dann sollten sie den Platz auf der Fensterbank und in unserem Blickfeld behalten.Sie machen unser Hier und Heute reicher und irgendwie glücklicher.

Sie können unsagbar schmerzlich erinnern an Zeiten, die man sich sehnlichst zurückwünscht, weil ein Glück zerbrochen ist, weil ein Schicksalsschlag uns getroffen hat oder weil gute Zeiten einfach vergangen scheinen.

Ich kenne viele Menschen, die diese kleinen schmerzenden Zeugen des eigenen Lebens sammeln und horten wie einen Heiligenschrein. Überall stehen sie herum, diese stummen Mahner vergangener glücklicher Tage.

Manchmal kommt es mir so vor, als fänden diese Leben nur noch in  Erinnerungen statt. Wie schön es doch war und wie schade, dass es so lange vergangen ist.

Hier und heute findet nicht mehr statt. Die Gegenwart wird zum Feind der eigenen Lebenszeit. Je mehr Zeit vergeht, jede Minute, jede Stunde bringt Einen weiter weg von diesen Erinnerungen, weg von diesen Zeiten, die so schön waren.

Dann ist es an der Zeit, diese Dinge in einen Karton zu legen, gut zu verpacken, sich zu verabschieden und sie ihrer Zeit zu überlassen.

Ich habe das vor einigen Jahren recht konsequent getan. Alle Erinnerungsstücke, die mit einer traurigen oder negativen Erinnerung verknüpft waren, habe ich entweder weggeworfen oder sorgfältig eingepackt, bis der Tag kommt, an dem ich mich endgültig trennen kann.

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Ich habe mich selten so befreit gefühlt.

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Die Botschaft aus dem Handgelenk

Ich habe ja alle möglichen Hobbys, mit der Malerei habe ich mich nie beschäftigt, da ich mich für völlig talentfrei halte.

Meine Malereien sahen immer aus, als hätte ein Kind sie im stockdunklen Zimmer unter Androhung von Strafe gemalt. Kein Talent eben. Unter „Malen“ verstand ich das hier:
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Im Herbst hatte die hiesige Volkshochschule uns Dozenten (ich gebe dort Spinnkurse) angeboten, kostenfrei an einem Kurs unserer Wahl teilzunehmen. Prima Idee!

Was für ein Kurs könnte mich interessieren?

Eine neue Sprache lernen? Och nö, die olle Tante streicht in meinem Kopf zu gern neue Vokabeln.

Oder soll ich mal einen Schmiedekurs belegen? Mit dem Hammer auf Metall einkloppen, bis es irgendwie entweder schick aussieht oder nützlich ist? Ein Seitenblick meines Mannes, versehen mit dem Kommentar:“  Du  bekommst ja nicht mal mehr eine Brauseflasche auf, wie willst du dann mit einem dicken Hammer minutenlang auf Metall einhämmern?“- beendete auch diese Idee.

Ein Tagesseminar: „Wie mache ich mir eine Hochsteckfrisur“ kam auch nicht so recht in Frage. smiley_emoticons_paris-brille-sekt

Blieben nach Abzug von Yoga (keine Lust im Moment) und Pilates (och nö) noch die Malkurse.

„Acrylmalen für Anfänger“ klang irgendwie gut.  Auch der Beschreibungstext für den Zwei-Termine-Kurs klang super.

Mit einem  Acrylmalset, wie es sie im Moment für kleines Geld überall zu kaufen gibt, bin ich mit sehr gemischten Gefühlen losgezogen, um das Malen zu lernen oder eben auch nicht.

In dem Kurs war ich die einzige wirkliche Anfängerin, alle Anderen hatten schon mehr oder weniger Erfahrung mit Farbe, Pinsel und Leinwand.

Das war beunruhigend, aber nun saß ich schon mal hier, ich konnte ja immernoch den zweiten Termin schwänzen, bevor ich es schaffte, mich vollends zu blamieren.

Aber es kam gänzlich  unerwartet ganz anders!

Unsere Dozentin war einfach klasse, sie hat es tatsächlich geschafft, das bißchen Talent, das irgendwo in meinen Synapsen schlummerte, zu wecken und auf die Leinwand zu projezieren.

Ich konnte malen! Wirklich malen!

Seitdem sitze ich mehr vor der Leinwand als irgendwo anders. Ich male, zeichne, probiere Collagen, experimentiere mit Farben und lebe in einer neuen Welt!

Ich werde nie eine van Gogh sein oder ein Picasso, bzw. Picassoline, aber es macht sehr viel Spaß und wird ganz akzeptabel:

Hirsch

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Leute, schnappt euch Farbe und Pinsel und begebt euch mal in einen Malkurs! Mit etwas Glück entdeckt ihr dort eine neue Welt, die „Kunst macht glücklich“ heißt.

Zeitreise

Manchmal fühle ich mich so alt wie die Schildkröte Kassiopeia in Momos Geschichte.

Wie eine Zeitreisende aus einem altem Zelluloidfilm. Ich kenne noch Zeiten ohne Telefon.
Bei uns hielt das Wunder des „miteinander-quatschens-ohne-sich-zu-sehen“ Einzug, da war ich so runde zwölf oder dreizehn Jahre alt. Unser erstes Telefon war grün und mit Wählscheibe.

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Wir fühlten uns wie Armstrong bei seiner ersten Mondlandung!  Kurz danach gab es die ersten Telespiele. Abgefahrene Spiele konnte man spielen! Tennis zum Beispiel. Da flog in Zeitlupe ein kleiner Punkt (Ball)  von links nach rechts gegen zwei weitere Balken (Schläger), Einer links und Einer rechts. Den Ball zu verfehlen, war fast unmöglich, das war bei der „affenartigen“ Geschwindigkeit noch mit drei Promille Apfelkorn intus, das absolute „In-Getränk“ der damaligen Zeit,  zu schaffen.

Telespiel_Tennis

Danach folgte dann die Generation unserer Töchter mit Walkman, Sega-Spielekonsole und CDs. Das war das Ende der Kassette  für unsere Abba/Kiss-Generation, die wir gebannt Donnerstag abends vor dem Radio geklebt haben, um Werner Reinckes „Internationale Hitparade“ nicht zu verpassen, man konnte die Songs in ganzer Länge aufnehmen, ohne dass ein dusseliger Moderator dazwischengequatscht hat.

Die grandioseste Erinnerung ist für mich jedoch meine erste Fernsehsendung „in Farbe“. Mein Großvater hatte  ein Riesending von Farbfernseher gekauft, im Jahre 1972 oder 1973. Ich saß mit ihm auf einem Fernsehsessel, der sich zurückklappen ließ und wo  eine Lehne für die Füße wie von Geisterhand in die Höhe fuhr. Wir saßen zusammen eingeklemmt in dem Sessel und haben die tschechische Kindersendung „Lolek und Bolek“ angeschaut. Das werde ich nie vergessen! Welch ein Erlebnis!

Waren doch bis dahin alle bewegten Bilder eher monochrom zu uns ins Wohnzimmer transportiert worden. Nun in Farbe! Sensationell!

Wenn man sich heute  alte Fernsehproduktionen anschaut, dann wundert man sich, dass nicht eine gesamte Generation ständig mit Kopfschmerzen herumgerannt ist, weil die Bildqualität wirklich schlecht war.

Ich muss dann immer an meine Großmutter denken, die fast 96 Jahre alt geworden ist. Sie hat Zeiten ohne elektrisches Licht, ohne Innentoilette, ohne dreilagiges Toilettenpapier und vor allem ohne Zentralheizung erlebt.

Aber auch unsere Jugendzeiten waren schon altertümlich genug:

Wie hat man als Frau damals einen vernünftigen Typen aufgetan ohne Facebook, ohne Instagramm und ohne Parship?

Wie hat man als halbwegs intelligenter Mensch erfahren, wie ein Kasseler Kotelett zubereitet wird?

Wie hat man Weihnachtsgeschenke ohne Amazon und Co. beschafft?

Beschwerliche Zeiten.

Nostalgie.

Ich bin ein Teil davon.

Ich bin ein Fossil.

Fossil