Weihnachtsdeko – oder doch nicht?

Ich bin im Weihnachtsmodus.

Zumindest gedanklich.

Ich liebe es, unser Heim weihnachtlich zu dekorieren. Ich mag Lichterketten und schöne Deko ringsherum.

Ein Weihnachtsbaum muss gar nicht sein,  ich kann schöne Kugeln auch an einem kahlen Fichtengewächs, das silber angesprayt ist, schön finden.

So getan im letzten Jahr, ich habe eine kahle Fichte, ein Bäumchen ohne Nadeln, das im Wald lag und der Verrottung anheim gestellt war, in mein Häuschen mitgenommen, silber angesprüht, mit ein paar Kieferzweigen vergesellschaftet, und schon hatte ich Weihnachten. Meine Familie fand es gut. Ich auch.

Solch Anwandlung überfällt mich auch dieses Jahr. ein Tännchen ohne Nadeln ist schon auserkoren und im Wald beiseite gestellt. Die Gefahr, dass es mir Jemand wegschnappt, liegt bei Null. Das Silberspray steht bereit und eigentlich kanns losgehen.

Ich habe Ladehemmung. Gedanklich packe ich Kugeln, Silberspray und Strohsterne zurecht, aber die wirkliche Handlung fehlt.

In der Küche hängt gleich neben der Lampe ein Birkenast, der seiner Bestimmung harrt, rote Kugeln und Strohsterne habe ich mir vorgestellt. Sah letztes Jahr schon toll aus.

Nun hängt er da, der nackte Birkenzweig.

Das nadellose Bäumchen steht im Wald.

Die Kugeln und Sterne lagern auf dem Boden. Die Lichterketten auch.

Es dauert noch. Der Weihnachtsmodus hängt…….

Deshalb fehlen auch die Fotos. Keine Deko – keine Fotos….

Aber ich bin gaaaanz sicher, der Weihnachtsmodus schlägt noch zu im snuselschen Heim.

Hoffentlich vor dem 24.12.——

Mach auf das Portemonnaie!

Ich bin Patientin. Soweit kann ich mir selber folgen.

Ich bin immerzu irgendwo Patientin. arzt

Es tun sich wundersame Dinge im Patientenland.

Einmal im Jahr ist Brustkrebs-Vorsorge. Mein Gewebe ist wohl so dicht, dass da nicht viel zu ertasten ist. Mir wird eine Ultraschall-Untersuchung angeraten, damit auch nichts übersehen wird.

 

Wer wird da nein sagen? Wer hat keine Angst vor Brustkrebs, bitte schön?

80 Euro kostet der Blick ins Brustgewebe. Meine 80 Euro, weil die Kasse das nicht zahlt.

Wenn ich mein Rezept für Krankengymnastik einlöse, habe ich mein Portemonnaie schon in der Hand: 10 Euro Rezeptgebühr und dann wird noch jede Anwendung mit einem Festbetrag von mir subventioniert.

Ganz prima.

Beim Zahnarzt bekomme ich die Hiobsbotschaft, dass die Wurzeln eines Zahnes den Aufstand proben, der nur mit einem ultramodernen Maschinchen behoben werden kann. Die „normalen“ Kassenmethoden reichen nicht.

100 Euro aus meiner Schatulle bitte sehr.

Genutzt hat es nichts, der Zahn muss raus und ich stehe vor einer echten Investition in eine Brücke über die unschöne Zahnlücke. Von dem Geld kann ich getrost ein halbes Jahr in Italien Urlaub machen.

Das alles ist in den letzten paar Tagen passiert. Mein Portemonnaie ist leer.

portemonnaie

Zur Bank kann ich theoretisch auch nicht gehen, da dort auch die chronische Schwindsucht grassiert:

Meine karge Erwerbsunfähigkeitsrente wird vom Staat besteuert plus Progression, da mein Mann ja noch arbeiten geht. Mehr als tausend Euro jedes Jahr  aus unserer Geldbörse an Vater Staat, der damit sowieso nur Unsinn macht.

Dazu kommt, dass es fast unmöglich geworden ist, telefonisch einen Facharzttermin zu vereinbaren. Es ist bei allen Fachärzten ist  chronisch „besetzt“

Tut-tut-tut-tut-tut….

ich träume schon davon.

Einige meiner Beschwerden habe ich auf diese Art und Weise, quasi beim täglichen Telefonieren schon ausgesessen.

Vielleicht ist das die Methode? Den Patienten solange in der Warteschleife verharren lassen, bis die Beschwerden entweder von allein abklingen, oder der Patientendussel am Telefon tot umgefallen ist.

Habe ich dann tatsächlich einen Termin ergattert, rauscht ein Arzt herbei, klopft auf mir herum, rennt geschäftig hin und her, nach fünf Minuten stehe ich wieder vor der Tür statt dahinter und ich kann nicht mal sagen, ob der Kerl einen Bart hatte oder nicht.

Nicht, dass das für die Behandlung eine Rolle spielt, es ist nur so, dass alles so schnell geht, dass ich nicht mal sicher bin, ob der Arzt überhaupt verstanden hat, was mir fehlt.

Wenn eine neue Brille dieses Jahr noch fällig wird, fallen die Weihnachtsgeschenke definitiv aus! Eine neue Brille kostet mehr, als ein Blindenhund jährlich an Futter verfrisst.

Dabei zahle ich genauso Krankenkassenabgaben wie Jeder Andere auch.

krankenversicherung

Geht es allen Patienten so? Geht es nur mir so? Bin ich empfindlich? Meine Erfahrungen im Krankenhaus konntet ihr ja schon nachlesen, im täglichen Praxistest isses auch nicht besser.

Kann ich mich bewerben als Praxistesterin? DAS wäre was! Weiß Jemand, wo ich mich bewerben kann?

Schau mir in die Augen, Kleines

Gestern war unser Halbjahres-Workshop in Darmstadt. Ich bin Teil des Blogger Teams bei Einblick.

Einblick.MS-persönlich

Es ist immer wieder toll, wie sich die Gruppe gegenseitig inspiriert und wie die Ideen nur so sprudeln!

Inzwischen gibt es auch einen tollen Trailer, den ihr euch hier ansehen könnt:

Trailer zu Einblick.MS-persönlich

Eines unserer Themen war Angst.

Ich denke nicht oft darüber nach, aber nun ist er da. Der Gedanke an alles Mögliche, das Angst macht.

Mir war ganz und gar entfallen, dass ich eigentlich immerzu Angst vor irgend etwas habe. Es ist nicht so, dass ich von morgens bis abends herumlaufe mit dem Tier „Angst“ im Nacken.

Aber so tief in der Magengrube, da wo es dunkel und immerzu ein wenig unheimlich ist, da liegt sie auf der Lauer, die Angst.

Meine größte und auch diffuseste Angst, ist, zu erblinden aufgrund der MS. Der Sehnerv liegt recht ungeschützt herum und ist anfällig für Entzündungen. Der Gau ist dann die vollständige Erblindung.

blind

Manchmal nachts, wenn es wirklich ganz dunkel ist, wenn die Straßenlaternen aus sind, der Mond nicht scheint, und ich auf der dem Fenster abgewandten Seite liege und des Nachts aufwache, ist es für einen Moment absolut dunkel. Mein erster Gedanke ist immer:

  • „Bitte lass es so dunkel sein und lass diese Dunkelheit nicht von meinem Innern kommen!“

Bisher hat das immer geklappt, ich wünsche mir nichts mehr, als dass es so bleibt. Ich kann mittlerweile so ziemlich alles akzeptieren, was die olle Tante mit mir anstellt. Aber Blindheit?

Da hört meine Vorstellungskraft einfach auf.

blindenpunkte

Aber mal ganz im Ernst, bis vor einigen Jahren hätte doch ein Rollstuhl auch nicht in dein Weltbild gepasst.

Ja, das stimmt, aber Blindheit ist nochmal eine ganz andere Nummer. Nichts von dem, was ich momentan so gerne tue, würde dann funktionieren. Ich könnte nicht malen, stricken, spinnen, Kurse geben, im Lädchen sein….

Ich muss überlegen: stricken und spinnen geht doch ohne Augenlicht! Das braucht nur Übung!

Ich will mir das nicht überlegen und auch nicht vorstellen!

Bitte liebe olle Tante, mach was du willst, steck mich in den Rollstuhl, von mir aus schlag mich mich Inkontinenz und Vergesslichkeit, aber lass meine Augen in Ruhe!

augen

Davor habe ich Angst! Olle Tante, hörst du?

Mmmpf, ich kann die olle Tante bitten und betteln, ich kann meinen Neurologen nerven oder ständig überprüfen, ob ich schwarze Blöcke, Streifen oder gar nichts mehr vor Augen habe. Niemand kann das versprechen, vorhersagen oder gar ausschließen.

Rein theoretisch kann ich morgen aufstehen und blind sein.

Praktisch auch.

MS ist Scheiße.

Sanitärhäuschen sucht Platzangst

Ich wollte nie Camping machen. Der Gedanke an dunkle Sanitärhäuschen, Gemeinschaftsduschen, verklebte dunkle Toiletten gruselt mich richtig.

Ich bekomme dort Platzangst, genauso wie in kleinen Fahrstühlen.

Mein Mann, Freunde, alle, die es gut mit mir meinen, haben mich überzeugt, dass es das heute nicht mehr gibt. Der Anspruch an die Campingplätze ist da allgemein doch gewachsen.

Das Internet liefert Tausende Ergebnisse zum Thema „Sanitärgebäude auf Campingplätzen“.

toilettenschild

Alles sehr zufriedenstellend!

So sind wir zu Campern geworden. Die Story mit dem Wohnwagenkauf kennt ihr ja bereits. Nun sind wir das erste Mal auf große Fahrt gegangen und es wird Zeit für ein erstes Campingplatz-Sanitärhäuschen-Resümee.

Also ganz vorneweg: es gibt Sone und Solche!

Wer hätte das gedacht?

Aber der absolute Hit war ein kleiner Campingplatz mitten im Nirgendwo zwischen Bayern und den ersten österreichischen Gefilden.

Das Sanitärhäuschen war schon recht in die Jahre gekommen, aber sauber. So weit, so gut.

Es war dunkel darin, auch bei Tage (Wald drumherum). Als Lichtquelle dienten eine Reihe Baumarkt-Baulampen, die, mit dem Gitter um das Glas. Darin funzelte jeweils eine maximal 40 Watt Birne herum, die es gerade so schaffte, das Lampengehäuse auszuleuchten.

Mir war mulmig.

Mir war gar nicht campingmäßig.

Und dann kam noch das Wissen dazu, dass das Licht an die Duschmünze gekoppelt war, die mir die Campingplatz-Betreiberin in die Hand gedrückt hatte.

Zehn Minuten warmes Wasser und zehn Minuten Licht!

Das hieß: ausziehen, am Besten die Duschmünze erst einwerfen, wenn man schon nackig ist, duschen, Beine rasieren, Haare waschen, abtrocknen, eincremen, anziehen, rauslaufen. Alles in zehn Minuten.

Stress!

Die Vorstellung, in dem Gebäude mit seinen Reihen geschlossener Türen, geschlossener Türen und Fenster im Dunkeln allein zu sein, passt nicht in meinen Kopf. Zu groß bläht sich das Grauen da  auf, wo normalerweise alle Körperfunktionen ihre Arbeit tun.

Mein Magen rumort, mein Herz schlägt wie verrückt, ich habe trotz der Hitze und des warmen Wassers Gänsehaut und meine Beine schlackern mehr, als sie das ohnehin schon tun.

Platzangst!

platzangst

Panische Anfälle, mein blumiges Vorstellungsvermögen zaubert Unmengen bizarrer Bilder, die ich gar nicht sehen möchte. Augen zu nutzt nichts, das Kino findet ja in meinem Kopf statt.

Hier kann ich nicht bleiben. Wer kommt auf so eine Idee? Das Licht an das warme Wasser zu koppeln?

Meinen Mann brauche ich erst gar nicht überzeugen, der hat keine Platzangst, findet das aber auch mehr als beschissen.

Wir hängen unser Häuschen wieder an und wenden uns Österreich zu. Kommen die Ösis auch auf so verrückte Ideen?

Der Lauscher an der Wand….

…hört oft die eigene Schand!

Ich lausche nicht, mich interessiert es einfach nicht besonders, was andere Leute zu bequatschen haben. Ist eh meist langweiliges Zeug.

Wenn allerdings das Wort „Behinderte“ in Gesprächen vorkommt, bekomme ich Rhababerblatt-Ohren. Da stelle ich meine Lauscher auf.

Neulich im Supermarkt tätigt eine Frau im Elektro-Rolli ihren Einkauf. Sie steht ein bißchen im Weg, so dass man sich zwischen Regal und Rolli vorbeizwängen muss, wenn man denn unbedingt vorbei will und nicht warten kann.

Zwei etwa fünfzehnjährige Mädchen können nicht warten. Ohne Einkaufswagen, aber mit mehreren Kleinigkeiten in der Hand drängeln die Zwei sich an der Dame im Rollstuhl vorbei.

  • “ Oh Mann, was steht der Spast da im Weg?“ nölt die Eine. Sie nölt zwar leise, aber doch unüberhörbar.

Das andere Mädel schweigt lieber, weil sie sieht, dass einige Umstehende gehört haben, was ihre Begleiterin gesagt hat.

Böse Blicke, Kopfgeschüttel allenthalben.

Man ist sich einig, das gehört sich nicht. Wie kann man sowas sagen?

Ich stehe zu weit weg, sonst hätte ich dem Mädel, das sich über den Rollstuhl und den darin befindlichen „Spast“ beschwert hat, verbal das Fell über die Ohren gezogen.

Die Mädchen sind flugs vorbei und in den Regalreihen verschwunden. Aber die umstehenden Leute fangen an, sich darüber zu unterhalte, was das Mädel gesagt hat.

Sie empören sich leise, sie flüstern miteinander, damit……..genau wer denn??    sie nicht hört?

Warum flüstern sie? Die Dame im Rollstuhl musste sich schon den Spruch des Mädels an den Kopf knallen lassen und nun noch die flüsternde Menge obendrauf.

Sie hat gehört, was das Mädchen gesagt hat und sie hört, dass die Leute nun flüstern und sie anschauen.

Es gibt Stimmen, die sich empören über die Frechheit des Mädchens, es gibt Stimmen, die meinen, mit einem Rollstuhl müsse man aber auch nicht so doof im Weg stehen. Behinderte würden immer Sonderrechte einfordern. Das ginge so ja auch nicht.

Wieder eine Andere meint, man könne ja wohl einen Moment warten, es wäre ja auch nichts anderes, wenn ein „normaler“ Kunde mit seinem Einkaufswagen dort stehen würde.

So geht das eine Weile hin und her.

Mit ihr direkt spricht Niemand. Sie setzt ungerührt ihren Einkauf fort. Was geht in ihr vor?

Ich stehe am Rande, beobachte und lausche. Mir wird heiß und kalt. Hat man das wirklich immer wieder auszuhalten, wenn man im Rollstuhl sitzt? Mir ist das noch nicht passiert, aber ich bin noch nie allein mit Rollstuhl unterwegs gewesen.

Es ist im Prinzip egal, ob wohlwollend oder eben nicht wohlwollend über sie gesprochen wird. Es wird über sie gesprochen, aber nicht mit ihr!

Ich denke nicht, dass es ein spezielles Behindertenproblem ist, aber da wird einem die eigene Schieflage vor Augen geführt.

Offensichtlicher behindert als in einem Rollstuhl kann Mensch kaum sein. Dann noch dieses zwar durchaus menschliche, aber klägliche Verhalten der lieben Mitmenschen.

Sie hätten das freche Mädel zur Rede stellen können oder sie können einfach schweigen.

Sie hätten aber auch mit der Frau im Rollstuhl reden können, statt über sie.

Es ist doch so einfach!

Heute mag ich meine Jolanthe gar nicht leiden…..

 

 

Sommerblues

Es ist doch zum Mäuse melken!

Kaum habe ich die lange Hose gegen eine Kurze getauscht, kracht ein Regenguss herunter, der jedem Monsum in Indien zur Konkurrenz gereicht oder es kommt ein Polartief aus dem Norden mit morgendlichen Höchstwerten um die 5 Grad!

Ich lieebe Sommer! Draußen sitzen, Sterne abends gucken, was Nettes essen oder trinken. Herrlich!

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Nix isses damit dieses Jahr.

Eigentlich bekommen mir die sommerlichen Temperaturen gar nicht. Aber ich mag das sommerliche Flair einfach. Da ist mir die MS eben egal.

Da muss ich  eine Pause mehr machen oder mich in den Schatten verziehen. Aber ich mag es, wenn Schatten da ist!

Wo die Sonne einen Schatten wirft, ist Selbige wenigstens vorhanden!

Kaum ist dann tatsächlich mal drei Tage am Stück Sonne, da höre ich von überall Stimmen!

Stimmen, die unbedingt wollen, dass es mal wieder regnet! Es ist ja alles so trocken!

Ja stimmt! Aber das sollte im Sommer gelegentlich mal so sein!

Ich möchte gern auswandern. Dahin, wo es immer schön gleichbleibend warm ist.

Meran oder so wäre schön.

Aber dann müsste ich allein meine Zelte neu aufschlagen. Aus dem einfachen Grund, weil die Firma meines Mannes keine Zweigstelle in „Meran oder so“ hat.

Also bleiben wir hier und ich meckere über das Wetter. Das könnte man auch ein literarisches Sommertief nennen, weil mir vielleicht nichs Besseres als das Wetter einfällt, um darüber zu schreiben?

Doch schon, ich würde gern über die tollen Erlebnisse in einem Jahrhundertsommer schreiben. Aber wie man im Dauerregen auf dem Sofa schmort ist eben nicht besonders aufregend. Oder doch?

Vielleicht sollte ich den abwechslungsreichen Sommer nutzen, um eine Interviewreihe zu starten: Sofasommer: wie hast du am Bequemsten den Regen beobachtet?

Oder ich bleibe einfach hier sitzen und schmore allein vor mich hin. Irgendwann muss ja mal ein Hoch kommen, auch wenn es nur vorbeizischt.

Hochdruckgebiet

Wieso bleiben Tiefausläufer eigentlich immer so lange, während Hochdruckgebiete nur kurz winken und dann auch gleich wieder weg sind?

Und warum ist um uns herum immer Sommer, nur HIER nicht?

Wind aus Westen bringt immer Regen! Komisch, ich dachte, aus Westen kommt nur Gutes? Da hab ich wohl nicht richtig aufgepasst!

Achtung Patient!

Liebe Mitlesenden,

was mir gestern als Patientin passiert ist, passt auf keine Kuhhaut!

Ich schleppe mich seit Tagen mit einer schmerzhaften Entzündung im Lendenwirbelbereich herum, die gemein in den rechten Oberschenkel zieht.

Erste Annahme: Ischias!

Nach ein paar Tagen mit dem Versuch, den Nerv mit Wärme und Yoga zu beruhigen (misslungen), bin ich zur Hausärztin gefahren. Die war auch der Meinung, das kann nur der Ischias sein. Das muss von alleine weggehen! Sprachs und ließ mich mit einem Ibu 600 Rezept von dannen ziehen.

Die Entzündung war gänzlich unbeeindruckt vom Ibu 600, noch dazu schmeiße ich ja gegen meine Restless Legs Tilidin und Targin ein. Damit würde ich im Fall meines Ablebens als Sondermüll gelten und ein Elefant würde mit der Dosis drei Tage in der Savanne poofen.

Medizin

Mein Bein pfeift mir was!

Was total untypisch ist: es schmerzt beim Stehen und insbesondere beim Bergauf-gehen ganz höllisch, beim Sitzen, am besten auf einem harten Stuhl, beruhigt sich das Ganze.

Mir rieselte dann ins leicht von Medikamenten benebelte Hirn, dass ich vor fünf Jahren eine Entzündung des Trochanter (der dicke Knochen im Oberschenkel) hatte, was exakt genauso geschmerzt hatte, wie jetzt.

Mit dieser neuen Erkenntnis und dem Wissen, dass die Schmerzmittel ganz und gar nicht helfen, hat mein Mann mich am Samstag abend nach einem Kunsthandwerkermarkt ins Duderstädter Krankenhaus (Provinz) kutschiert, weil es nun doch schon ganz exquisite Schmerzen waren bzw. ja immernoch sind.

Dort bin ich recht schnell an die Reihe gekommen, ich nehme an, der Rest der Bevölkerung hat Fußball geguckt, schließlich ist EM!

Der Arzt hat sich genauso lange um mich gekümmert, bis ich die Bemerkung fallen ließ, dass ich MS habe.

Der Gute ließ sofort alles fallen und hat sozusagen die weiße Fahne gehisst. Er wäre Chirurg und in Duderstadt gibt es weder eine Neurologie noch eine Orthopädie.

Sprachs, schrieb ein kleines Verslein in einen Arztbrief und schickte mich auf die Reise nach Göttingen ins Uniklinikum, welches mir ja gut vertraut ist. Um nicht zu sagen, mir ohnehin in gruseliger Erinnerung ist aus Zeiten, als sie sich dort um meine Diagnose gekümmert haben, aber das ist eine andere Geschichte.

Samstag abend, 19 Uhr, Notaufnahme Klinikum:

emergency

Mein Verslein aufgesagt, Arztbrief aus Duderstadt abgegeben und auch ziemlich rasch von einem Pfleger der Notfallstation in Empfang genommen. Binnen fünf MInuten hatte ich ein Blutdruckmessgerät am rechten Arm und eine Braunüle samt Kochsalzinfusion im Linken, sowie ein Plastikpöttchen zum Reinpullern auf dem Tisch. Auf meine Frage, was das alles soll, kam die lapidare Antwort: Routineablauf bei Aufnahme!

Da saß ich nun, eben noch normaler Mensch, nun Patient der Uniklinik Göttingen.

Es herrschte zwar reger Betrieb, aber von Aufregung oder Hektik war keine Spur.

Ein netter Pfleger brachte mir noch eine Decke, fragte nach meinem Befinden und verschwand wieder. Für lange Zeit (eine Stunde) kam Niemand.

Dafür hatten wir ein prima Unterhaltungsprogramm:

In der Notaufnahme sind die Betten nur jeweils durch Paravants getrennt und nebenan lag ein älterer Herr, der sich den Unterschenkel gebrochen hatte, das wussten die Ärzte auch schon, weil das bereits geröntgt war. Es kam eine junge Ärztin, die vielleicht das Ansinnen hatte, das Bein manuell eben zu richten, verdrehte dem armen Mann das Bein, der natürlich vor Schmerzen schrie. Die junge Ärztin klärte den protestierenden, jammernden Menschen auf, man müsse ihn ja schließlich untersuchen, um der Sache auf den Grund zu gehen.

Hallllooooo??????

Es gab bereits ein Röntgenbild.

x-ray

Der Mann trat dann erwartungsgemäß einfach ab, er verlor schlichtweg das Bewusstsein, was die Truppe von Ärzten und Pflegern zunächst gar nicht bemerkte. Sie spritzten ihm was, damit der arme Kerl seine Schmerzen auch ja bei vollem Bewusstsein erlebt und ließen ihn wieder allein.

Ich saß nebenan, mein Mann ebenfalls, wir konnten das alles mit anhören und bekamen den Mund nicht mehr zu.

Bei mir war nach wie vor Niemand.

Dann plötzlich kam eine junge Neurologin, guckte in den Computer, fragte meine Größe und Gewicht ab und stellte fest, dass ich ja wohl noch nie in der Uni gewesen sei.

Was?

Ich war insgesamt 4 Wochen stationär dort und alle halbe Jahre in der MS Ambulanz. Sie sah mich verwirrt an, meinte sie würde  den letzten Arztbrief raussuchen und wäre gleich wieder da.

Zwei Stunden später, inzwischen kurz vor 22 Uhr:

Nichts, Niemand….

der ältere Herr neben mir wurde nach Stunden nun endlich zum CT abgeholt.

Auf dem Flur gelangweilte Pfleger, ein junger Arzt, der mal hierhin und mal dahin guckt, eine Krankenschwester, die einen markigen Spruch nach dem Anderen klopft.

Krankenschwester2

Mein Mann fragt die Sprücheklopferin, ob denn hier nochmal was passiert. Sie patzt zurück, es gäbe gerade Notfälle, die zu behandeln seien. Ach ja, das kann man dem wartenden Patienten doch einfach mal mitteilen.

Die Sprücheklopferin hat der jungen Neurologin gepetzt, dass der Mann von der wartenden MS-Patientin mit dem muckenden Bein, wohl nach einer weiteren Behandlung gefragt hat.

Die Neurologin hält es nicht für nötig, bis ans Bett zu kommen. Von der Tür aus ranzt sie uns an, ich wäre die „gesündeste“ Patientin in der Ambulanz, es gäbe Notfälle und ich müsse halt warten.

Hab ich artig getan, drei Stunden lang mit einem Bein, dass Samba tanzt.

Meiner bescheidenen Meinung nach ist das kein Umgang mit Patienten. Klar haben Notfälle Vorrang, das steht außer Frage. Aber so einen ignoranten Umgang hat Niemand verdient. Das ist unverschämt.

Den nächsten Pfleger, der zufällig vorbeischlenderte (schlenderte, nicht hastete), habe ich dann gebeten, diese unsinnige Kanüle aus meinem Arm zu ziehen.

Bla,bla, Ärztin entscheidet das, bla bla, Notfall, bla bla….

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Nein, ich möchte gehen. Ich habe ihm dann noch mitgegeben, dass ich einfach ein schlechtes Gewissen habe, mit meinem banalen Bein hier den Ablauf zu stören.

Ich solle ja auf die Ärztin warten, ich müsse schließlich unterschreiben, dass ich nach über drei Stunden Nichtbehandlung gehe.

Was unterschreiben? Die gute Frau weiß ja eigentlich nicht mal, weswegen ich eigentlich da war und ich habe ja auch nichts unterschrieben, als ich dorthin bin.

Ich habe meine Schuhe angezogen, meinen Mann mitgezogen und bin von dannen gezogen.

Ohne Unterschrift!

Ich bin eine Krankenhausanarchistin!

Anarchistin

Ich bin im Fernsehen!

Naaaa fast!

Es gibt auf der Seite  Einblick ein neues Monatsthema und neue Interviews dazu.

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Unsere älteste Tochter Maren und ich sind dieses Mal Interviewpartner zum Thema Unabhängigkeit:

Video Perpektivwechsel

 

Und unsere jüngere Tochter Caro hat einen sehr schönen Artikel dazu verfasst, was aus ihrer Sicht Unabhängigkeit bedeutet:

Unabhängigkeit

Das waren sehr aufregende Stunden im Filmstudio. Ich war noch nie in einem echten Filmstudio!

Wir waren in den Hamburger Studios, in denen der Kieler Borowski Tatort und der Notruf Hafenkante gedreht werden. Irre sowas!

Maskenbildner, Tontechnik, Licht von überall her. Du sprichst mit einer Kamera. Eine völlig neue Welt!

Es hat viel Spaß gemacht und Sabine hat es super toll umgesetzt!

Camping

ist so gar nicht meins…..

War bisher meine Meinung. Diese Waschhäuschen, wo man vom Wohnwagen aus mit der Toilettenrolle unterm Arm kilometerweit hinpilgert, sind nicht meine Welt.

Toilettenpapier

Inzwischen hat sich waschhäuschenmäßig eine Menge getan. Diese Häuschen sind besser ausgestattet als mein Bad daheim und alle modernen Wohnwagen haben eine eigene Toilette.

So ging mir eines Tages ein Campinglicht auf!

Ich will was von der Welt sehen! Und zwar sofort! Wer weiß, was die olle Tante MS noch so mit mir vorhat und da will ich vorher wenigstens noch Italien gesehen haben!

Ich will eine echte italiensche Pizza und ein echtes italienisches Eis essen!

Pizza

Das will ich unbedingt! Ich war tatsächlich noch nie in Italien.

Wir gingen auf die Suche nach einem älteren Wohnwagenmodell (mit Toilette) zum Ausprobieren.

Wir wurden auch fündig, der Wohnwagen war recht betagt, sah aber noch gut in Schuss aus und so wechselte das Gefährt den Besitzer. Wir haben gar keine Ahnung, wie ein „betagter Wohnwagen, aber gut in Schuss“ auszusehen hat. Wir waren nur der Meinung, dass es so war. Wir blätterten eine nicht unerhebliche Summe auf den Tisch und zuckelten glücklich nach Hause.

WW-Seite

Am selben Abend, beim Rangieren des Gefährts auf unserem Grundstück hatte unser Sohn einen Rangiergriff in der Hand, er hatte sich ganz unelegant aus seiner Verankerung gelöst.

Macht ja nix, ist ja auch ein älteres Modell, aber gut in Schuss!

Mein Mann wollte den Rangiergriff wieder neu befestigen und stieß dabei auf des Campers Alptraum!

Die gesamte Seite des Wohnwagens war weggegammelt. Beziehungsweise das Holz dahinter! Bei der Gelegenheit fiel uns auf, dass im anhaltenden Dauerregen des Tages das Wasser ebenfalls recht unelegant neben der Aufbautür an der Wand herunterlief!

Wir waren geschockt und völlig paralysiert.

Was sollten wir jetzt machen? Keiner von uns hatte auch nur den Hauch einer Ahnung, wie wir das reparieren sollten.

Wir schleppten das marode Häuschen zu einem Händler, der unser Gefährt in Augenschein nahm und lapidar meinte, das Ding wäre keinen Pfifferling, geschweige denn Euros wert.

Ich sah unser Geld gerade zum Schornstein hinausflattern.

Völlig unerwartet  einigten wir uns mit dem Vorbesitzer auf eine Minderung der Kaufsumme und stellten das morsche Wägelchen in bekannten Portalen ein. Natürlich erwähnten wir sämtliche Undichtigkeiten. Am selben Tag noch machte es sich mit seinen neuen Besitzern auf zu neuen Ufern.

Wir hatten nun unser Geld wieder, aber keinen Wohnwagen!

Italien, adé……

Vogel mit Ballon

Ich war ziemlich frustriert und traurig über unseren Missgriff. Am Schlimmsten waren die Tage, in denen wir gegrübelt haben, wie es mit diesem Torf-Wohnwagen an der Backe nun weitergehen sollte. Wir hätten nicht gedacht, dass der Verkäufer uns Geld wiedergibt. So ist es ja gut für uns ausgegangen, aber ich war restlos bedient.

Nichts desto trotz habe ich mit einem Auge immer wieder mal nach Wohnwagen im Netz Ausschau gehalten. Mein Mann hatte  ganz klare Ansagen gemacht:

Nix mehr mit „betagter Wohnwagen, aber gut in Schuss!“

Neu, mit Garantie und vom Händler, das waren die Bedingungen für eine neue Wohnwagen-Attacke.

Das Problem war da eher unser Budget. Neue Wohnwagen sind recht teuer.

Wir sind bei der Firma Sunlight fündig geworden. Ich habe unseren Wohnwagen gefunden!! Hurra!

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Im Osten der Republik, in Naumburg bei Caravan-Rossol sind wir fündig geworden!

Es ist ein Sunlight C 44D geworden, ein Jahr alt, neuwertig, mit Markise und Garantie!

Wohnwagen

Wen es interessiert: Das Wägelchen wiegt nur 1050kg, hat ein Festbett, eine Rundsitzgruppe, Kühlschrank, Herd, Spüle und natürlich eine Toilette und ein Waschbecken!

Italien, ich komme wohl doch noch!!

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Planungen

Die Welt ist groß, bunt und voller Fragen.

Wenn ich morgens durch den Wald stratze, frage ich mich solche Dinge wie:

Woher weiß ein Eichhörnchen, wann es aufhören kann Nüsse zu sammeln? Woher weiß es, wann die Nüsse für den Winter ausreichen?

Oder sammelt es einfach Nüsse, bis es keine mehr findet oder bis es ich zur Winterruhe begibt?

Eichhörnchen

Plant ein Vogel seinen Tag?  Stellt er eine Art Überlegung an:

-“ Oh, Futter ist alle, ich muss los, welches suchen!“

Oder sowas wie:

-„Oh Frühling, ich baue mal ein Nest, mach mich hübsch und übe dann schön trällern, falls es noch nicht dunkel ist?“

Überlegt ein Wildschwein, ob es sich lieber in die nächste Suhle schmeißt, oder ob es sich doch lieber auf die Suche nach etwas Fressbarem macht?

Oder ist das ausschließlich menschlich?

Meistens bekommt  ein Mensch nicht mal die Planung des nächsten Satzes hin, der ihm oder ihr aus dem Mund purzelt.

Oder die Überlegung setzt erst  hinterher ein, was der Sache dann auch nicht mehr dienlich ist.

Nutzt es was, wenn ein Mensch mit MS seinen Tag oder gar ein Leben damit plant?

Oder soll der/die einfach so in den Tag hineinleben und soll froh sein, wenn alle sieben Sinne in der nächsten halben Stunde noch halbwegs intakt sind?

Wie weit soll oder kann Mensch vorplanen?

Letztens habe ich folgendes Statement dazu  gelesen:

„Chronisch kranke Menschen oder Patienten mit einer lebensbedrohlichen Krankheit sollten höchstens ihren Tod planen. Das Leben sollten sie dankbar jeden Tag so nehmen, wie es ist.“

erhobener Zeigefinger

Da kann ich blau, grün und ganz und ganz und gar dunkelrot ärgerlich bei werden.

Bin ich ein Vogel, ein Eichhörnchen oder ein Wildschwein?

Planen ist menschlich. Es ist noch nicht einmal das Recht dazu nötig. Selbst ein Mensch in der allerentrechteten Zone kann planen. Planen findet im Kopf statt.

Wenn es mich glücklich und sicherer macht, dann plane ich, wenn ich lieber in den Tag hineinlebe, dann bin ich eben ein Eichhörnchen, ein Vogel oder ein Wildschwein. Wobei die Frage der tierischen Planung sicher noch einer Studie bedarf! Oder schon bedurft hat? Vielleicht ist die Frage längst geklärt und ich mache mir umsonst einen Kopf darum?

Das ist pupsegal. Zumindest in Bezug auf meine Planungen.

Ich habe auf jeden Fall ganz fest geplant, noch ganz schön lange auf der Erde herumzuwandern.

Über meinen Tod habe ich mir tatsächlich Gedanken gemacht und diese auch der Nachwelt in Form einer Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht kundgetan.

Bääääähmmm, da hast du es, du Spielverderber!

Wer auch immer diesen hässlichen Satz (siehe oben, kursiv gesetzt) vom Stapel gelassen hat, der soll ganz langsam vor einem vollen Teller Spaghetti verhungern!  (Das wäre der schlimmste Tod, den ich mir vorstellen kann )

In der Zeit, die das dann dauert, plane ich unseren nächsten Urlaub…..

VW Bus