Die Bahn kommt

Irgendwie musste ich ja nach Mainz zum Shooting kommen, dieses Mal konnte mein lieber Mann mich nicht kutschieren.

Aber warum sollte ich mir Sorgen machen? Fahre ich doch einfach mit der Bahn!

Sonntag nachmittag losfahren und Dienstag abend zurück, was soll da schiefgehen? Es fahren täglich Tausende mit der Bahn und kommen auch an!

Beim Aussuchen und Buchen beschlich mich schon ein mulmiges Gefühl. Ich musste mindestens einmal umsteigen. Raus aus dem Zug, den nächsten Bahnsteig suchen, großen Koffer im Schlepptau, womöglich Zeitdruck! Fetter Kloß im Bauch.

Aber was solls. Bin ja erwachsen, kann mich durchfragen und meine Güte, es fahren ja soooo viele Leute Bahn und kommen unbeschadet an.

In Göttingen bin ich mit meinem Koffer eingestiegen, ohne Sitzplatzreservierung, warum auch? Es ist Sonntag, wer soll da schon den Zug verstopfen?

Von Göttingen nach Fulda ging es problemlos, der Zug war zwar recht voll, aber ich hatte ein Sitzplätzchen und alles schien gut zu gehen. Ich entspannte mich ein wenig.

In Fulda hieß es „umsteigen“! Auch da schien das Glück mir hold! Mein Anschlusszug kam auf dem gleichen Bahnsteig auf dem Nebengleis an! Also alles tutti. Was mache ich mir auch immer für einen Kopf?

Strahlender Sonnenschein in Fulda und ein Bahnsteig voller Menschen! Was war denn hier los? Die Durchsage aus dem Lautsprecher brachte Gewissheit: Was gut beginnt, muss nicht zwangsläufig gut enden! Alte Pfadfinderweisheit!

Mein Anschlusszug hatte 25 Minuten Verspätung, so weit, so schlecht, aber die Folge der weiteren Durchsage war mir ehrlich gesagt, nicht sofort ganz klar:

Am Zug fehlten sage und schreibe 8!!! Waggons!

Die Fahrgäste, die eigentlich diese 8 Waggons besetzen sollten, verteilten sich nun auf den Rest des Zuges. Sehr erbauliches Erlebnis!

Der Zug war schon proppevoll, als er in Fulda ankam. Was sich an Fahrgästen auf dem Bahnsteig befand, samt Kind, Kegel und Koffer, verteilte sich auf die restlichen Quadratmeter des Zuges. Selbstredend, dass aus Fulda zusteigend, NIemand mehr einen Sitzplatz bekam. Ich stieg ein mit meinem Kofferungetüm, kam noch zehn Schritte weit in den Wagen hinein und dann stand ich dort. Alle standen, in allen Wagen scheinbar, es ging keinen Schritt mehr vorwärts und auch nicht rückwärts. Die Dame, die vor mir stand mit ihrem Koffer zwischen den Beinen, hatte eine Sitzplatzreservierung für einen Wagen weiter. Das nutzte ihr ungefähr so viel, wie ein Bikini beim Schlitten fahren! Kein Durchkommen. Der einzige Vorteil der Nudeltopfenge: ich konnte beim besten Willen nicht umfallen, falls meine Beine den Dienst aufgaben. Aber ich hätte niemals die Behindertenkarte ausgespielt, um Jemanden vom Platz hochzuscheuchen. Das kann ich einfach nicht. Also stand ich, standen wir alle bis Frankfurt Flughafen. Über eine Stunde Stehparty im ICE.

Frankfurt Flughafen stiegen fast alle Fahrgäste aus. Offensichtlich stand ich in einem Zug mit lauter Fluggästen, die zum Flughafen wollten. War mir auch egal.

Endlich sitzen für die letzte halbe Stunde bis Mainz!

In Mainz endlich angekommen, bin ich mit meinem Koffer zum Hinterausgang gelaufen, in der Hoffnung, dass es da nicht so voll sein wird. Der Bahnhof war voll, laut und hektisch. In meinem Kopf sauste alles durcheinander, Stimmen, Farben, Leute, die an mir vorbeihetzen.

Hinterausgang Bahnhof Mainz: Regen, Autos, die hupen, und einen Parkplatz suchen, weit und breit kein Taxi, obwohl im Bahnhof ein Hinweisschild darauf vorhanden war.

Die erste kleine verdammte Hektikträne machte sich auf den Weg….

Nein, nein, so schnell nicht!

Zurück mit Kofferungetüm zum Haupteingang, dort raus, dieselbe Hektik überall. Aber endlich ein Taxi!

Ich war im Hotel!

Die Rückfahrt fand am Dienstag statt, kein Problem, da sind die Züge ja leer! Pfft, ich verlasse mich wohl noch auf irgendwelche Aussagen!! Neee!

Sitzplatzkarte gekauft!

Von Mainz bis Fulda war keine nötig, weil der Zug ganz frisch eingesetzt war, und ich kam auch ganz entspannt bis dorthin. In Fulda würde ich 40 Minuten Aufenthalt haben, das wusste ich schon, was ich aber nicht wusste, dass Fulda so einen grottigen Bahnhof hat! Es war inzwischen nach 21 Uhr, es war dunkel, windig und kalt. Der Bahnhof ist recht klein, eng und irgendwie unbelebt. Kein Sicherheitspersonal, Niemand, der ein wenig Sicherheit vermittelte. Zu allem Überfluss kamen einige Jugendliche mit Bierdosen in den Bahnhof. Ich verzog mich auf den Bahnsteig. Dort informierte mich, ja mich, ich war ganz allein auf dem Bahnsteig, eine fröhliche Lautsprecherstimme, dass mein Zug obendrauf nochmal 23 Minuten Verspätung haben würde.

Mist, ich saß hier im dunklen NIrgendwo fest auf einem scheißkalten einsamen Bahnsteig. Güterzüge rauschten vorbei, Wind fegte um jede Ecke, ich habe mich schrecklich gegruselt.

Endlich gesellte sich ein älterer Mann zu mir, ich hatte mich in einen Windfang gerettet, auf den Knien einen Krimi, den ich mir eben noch im Buchladen gekauft hatte. Jetzt waren wir zu zweit allein.

Die Lautsprecherdurchsagentante stifetete Komplettverwirrung, indem sie Züge ansagte, die auf allen möglichen Bahnsteigen halten würden. Es hatte durch die Verspätungen ein Durcheinander gegeben. Zug A hält nicht auf Bahnsteig C, Zug B hält nicht auf Bahnsteig D, sondern umgekehrt und Zug A hält wohl auch noch irgendwo.

Welches war jetzt mein Zug? Zug A, Bahnsteig D?????

Panik. Es geht auf 22 Uhr zu, ich sitze in Fulda und weiß nicht, wo mein Zug hält! Wenn er denn jemals hier ankommt! Kein Bahnmensch zu sehen, nur die fröhliche Tante vom Lautsprecher.

Ein Zug fährt ein. Ein ICE, der nach Berlin will. Ich schnappe meinen Koffer, renne zu der rot behüteten Dame, die Schilderschwenkend am Zug steht. Meine bange Frage:

-„Hält der Zug in Göttingen?“

-“ Ja klar hält der Zug in Göttingen?“

-„Wirklich?????“
Sie sieht mich von oben bis  unten an, ich kann ihre Verachtung richtig spüren. Mit eisiger Stimme teilt sie mir mit, dass sie hier schon ein wenig länger die Schilder schwenkt und ganz genau weiß, welcher Zug wo hält.

Mir ist ihre Laune egal, ich hüpfe in den Zug.
Der Zug war voll. Meine Sitzplatzreservierung war ja nun zum Teufel. weil ich ja im falschen Zug saß! Ich ließ mich ohne Rücksicht auf Verluste auf den einzigen freien Sitzplatz fallen. Es war ein Vierersitzplatz mit einem Tisch in der Mitte. Die Familie, die dort saß, sah mich etwas erstaunt an. Ich sagte nichts und glotzte nur zurück. Die hatten ja nicht eine Stunde lang im finsteren Fulda gesessen.MIch konnte nichts mehr schocken!

Um 23 Uhr kam ich endlich in Göttingen an. Ein großer heller freundlicher Bahnhof, trotz der späten Stunde! Mein lieber Mann hat mich abgeholt, er war bestens über meine Odyssee informiert, dank WhattsApp. Es gab keine Fragen und ich wollte auch auf nichts mehr antworten.

Ich bin zu einer Erkenntnis gelangt: ich fahre lieber Auto….

UND:

Ich will nie mehr nach Fulda!!!

Fotoshooting in Mainz

Am 06. und 07. März hat sich unsere Bloggergruppe in Mainz zum Fotoshooting getroffen. Es ist immer ein Erlebnis. das Hotel ist immer super, dieses Mal waren wir in einem Hotel, das ausdrücklich auch behinderte Menschen beschäftigt und auch gern als Gäste hat. Wer mal in Mainz ist, kann hier prima übernachten:
Hotel Inndependence in Mainz

Unser shooting fand in der co. fabrik statt. Ein tolles Tageslichtstudio! Nicht nur das Studio, auch der Besitzer Jonas, ist eine Wucht!

co.fabrik Mainz

Wir hatten zwei fantastische Tage mit unserem Fotograf Till Gläser aus Hamburg.

Geschminkt, gestlyt, aufgeschickt, hat uns, wie immer Roman mit seiner Kollegin Mai.

Das Shooting fand für Einblick.ms-persönlich statt. Unser Bloggerprojekt, das uns allen sehr am Herzen liegt.

Unsere Bloggergruppe mit unseren zwei Männern Chris und Daniel, die neu in unserer Gruppe mit dabei sind.

Hier hat es mich mal allein erwischt:

Alex vom Thrillertante Blog und ich

Und damit wir die zwei Tage auch gut überstehen, gab es viel Gesundes zu essen:

  

Diese zwei Tage waren unvergesslich, voller toller Bilder, Emotionen, Gespräche und viel, sehr viel Humor!

Wintergedanken

Manchmal, wenn ich nicht weiß, worüber ich nachdenken soll, denke ich über das Wetter nach. Oder vielmehr über Jahreszeiten, da denke ich drüber nach.

Winter ist doof. Ich mag weder Schnee noch die dunklen Tage. Ich kann dem Kerzenschein viel mehr abgewinnen, wenn das Lichtlein meinen lauen Sommerabend auf der Terrasse erhellt statt meinen Winterfrust auf dem Wohnzimmertisch noch zu erleuchten.

Ich mag auch die Anklaterei im Winter nicht. Bis ich alles angerödelt habe, von zwei Paar Socken über Jacke, Weste, Handschuhe über den Handschuhen, weil ich neuerdings immer saukalte Hände habe, Mütze, dicke Winterstiefel, Schal und natürlich die Gürteltasche fürs Handy und die Hundeleckerlies, bin ich schon einmal durchgeschwitzt und die erste Euphorie über den bevorstehenden Spaziergang ist verflogen.

Wenn ich so darüber nachdenke, würde mir ein Umzug in wärmere Gefilde gut gefallen. Heute wäre ich nicht mehr so „standorttreu“, ich hätte kein Problem damit, meine Koffer zu packen und gen Süden zu ziehen.

Oder einfach den Wohnwagen anzuhängen und für ein paar Monate hier die Rolläden runterzulassen.

Das mediterrane Norditalienwetter schwebt mir vor. Oder der Südwesten Deutschlands ist auch grundsätzlich am Wärmsten in Deutschland. Allerdings liegt da im Winter auch ordentlich Schnee. In Norditalien auch…..

also noch weiter in den Süden. Spanien zum Überwintern ist groß im Trend, viele pensionierte Camper satteln ihr Fahrzeug und flüchten von November bis April in den Süden. Herrliche Idee!

Allerdings fürchte ich mich vor einer Horde campender Rentner im Süden fast genauso wie vor einem Vampir in den Karpaten.

Ich habe gelesen, dass die Überwinterungscamper nun auch Marokko entdecken, da die Spanier den Trend erkannt haben und es inzwischen recht teuer ist, an der Costa Dingsda zu überwintern.

Ich merke schon, alles nicht so einfach… ich muss wohl noch weiter darüber nachdenken. Man gut, dass es so viel schlechtes Wetter hier gibt, da bleibt viel Zeit zum Denken….

Mut und andere sinnvolle Dinge

Seit einiger Zeit bin ich Teil einer Bloggergruppe, die über ihr Leben mit MS schreiben.

Ich hätte nie gedacht, dass es überhaupt andere Menschen interessiert, wie ich mit der „ollen Tante MS“ zurechtkomme. Unser täglicher Schlagabtausch ist tatsächlich von Interesse!

Die Seite hat ein neues Outfit bekommen und das Thema des Monats ist dann auch ganz passend: Neustart!
Einblick.ms-persönlich.de

Ich habe in diesem Projekt  wirklich tolle Menschen kennengelernt, die einen bewunderswerten Mut besitzen, den Mut des Löwen, seine Beherztheit und seine Unbeirrbarkeit.

In diesem Projekt arbeiten Menschen, die sich nichts nehmen lassen, oder nur wenig. Die viel mehr ihren Traum leben als  viele gesunde Menschen.

Das macht auch mir aufs Neue immer wieder Mut.

Mut wofür?

Für alles, auf alles, auf neue Dinge. Dinge, die zunächst unmöglich erscheinen. Dinge, die ein wenig schräg und verrückt sind. Dinge, die das Leben zu etwas ganz Besonderem machen.

An Tagen, an denen die olle Tante ihr Bestes gibt und mich in die Knie zwingt, hole ich meine imaginäre Wuschliste heraus und ich „lese“ sie wie ein Mantra.

Dinge, die ich machen möchte, erleben möchte, sehen möchte.

Klappt immer, danke Leute! Allein schon dafür ist es so schön, ein Teil dieser Gruppe zu sein.

Hamburg, deine Schanze

Ich war in Hamburg!

Wir hatten Mädelswochenende! Mutter und beide Töchter.

Da ich ja nur eingeschränkt touristisch tauglich bin, braucht es einen Plan. Einen Eventplan fürs Wochenende sozusagen.

Freitag abend haben wir uns in den Zug gesetzt, um den ganzen Samstag „hamburgen“ zu können!

Zug fahren ist schön, habe ich festgestellt! Dasitzen, essen und trinken, Leute angucken, Kein Stau, kein Chaos, nur Entspannung!

Samstag dann das große Thema, wo gehen wir hin?

In die Innenstadt, Mönckebergstraße? Och nee, da können wir eigentlich zu Hause bleiben, Saturn, Karstadt und Co. haben wir hier auch. Aber das Schanzenviertel, das wäre was!

Es gibt kein urigeres Viertel in der gesamten Republik. Überall kleine Geschäfte, Bars, Cafés, die ihren eigenen Gesetzen folgen.

Öffnungszeiten sind nicht verbindlich, nur eine ungefähre Richtlinie, Konventionen sind was für Spießer, hier wird konsequent geduzt und es geht alles ein wenig langsamer als andernorten.

Der ideale Platz für mich! Ich liebe das Schanzenviertel! Soweit ich also die Füße bewegt bekam, sind wir am Samstag vormittag durch die Schanze getrödelt.

Jetzt begann sich die Zugfahrt zu rächen! Wir können nur sehr begrenzt von den vielen schönen Dingen einpacken, die die Schanze zu bieten hat!

So viele kleine Lädchen, Geschäfte, Schatztruhen, urige Leute, Straßenmusiker, Unikate!

  

Das Schanzenviertel kann ich nur Jedem empfehlen, der abseits vom Mainstream etwas sehen möchte.

Das Viertel ist einfach ein Fest für die Sinne! Bunt, urig, herrlich schräg!

Vielleicht bis ungefähr

Manchmal bin ich päpstlicher als der Papst, dann will ich es ganz genau wissen, dann reicht mir ein „Vielleicht“ oder ein „Ungefähr“ oder auch ein „in etwa“ nicht aus.

Dann will ich auf den Punkt genau eine Antwort, die Wahrheit, das Ergebnis, die Summe.

Die vielen „Ungefährs“ stiften nur Verwirrung. Wenn ich erfahre, dass ich ungefähr noch die nächsten 10 Jahre in recht guter Verfassung leben kann, dann stimmt mich das nicht so hoffnungsvoll, wie man erwarten könnte.

Es ist doch schön, so eine gute Prognose zu haben. Oder etwa nicht?

Das Wörtchen „ungefähr“ nagt an mir, hallt in meinem Kopf dauernd nach und schreit nach Aufmerksamkeit.

Was heißt das denn?

„Ungefähr“……unter Wiktionary finde ich als eine mögliche Behauptung: „unvorhersagbar“

„Unvorhersagbar“ bedeutet ja, mein Gegenüber hätte sich die ganze Prognose sparen können. Genauso gut kann ich übermorgen aus den Latschen kippen, das wäre dann immernoch innerhalb der Prognose von „ungefähr in 10 Jahren, weil es ist ja unvorhersehbar“.

Mmmhhh…..schwierig…..

Was frage ich dann eigentlich nach?  Ein Arzt wird sich bei der Frage nach dem weiteren Verlauf meiner MS mit vielen „öööhs“ und „ääähhs“ und „ungefährs“ aus der Affäre ziehen. Was bleibt ihm auch Anderes übrig? Hat er ja selber keine  Ahnung, wie lange so ein durchschnittlicher MS-ler durchhält. Oder wann eine  Entzündung im Hirn oder der Untergang eines Nervs ein wichtiges Zentrum im Kopf trifft.

Manchmal sind krank Gewordene eine echte Pest für den Arzt. Sie fragen Dinge, die kein Mensch beantworten kann.

Dafür gibt es dann die „ungefährs“, die „vielleichts“ und das „in etwa“.

Mag sich der Patient beschweren, beschwere er sich lieber über die eigene dämliche Frage.

Wenn ich meinen Arzt frage, wie lange ich noch so munter leben kann, dann ist das so, als würde ich fragen, ob Gott nochmal auftaucht.

Schlauer Mensch, der sich das ausgedacht hat mit den „ungefährs“, den „vielleichts“ und dem „in etwa“…..

 

 

Happy new year

wünsche ich allen Besuchern!

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Wollen wir mal abwarten, was es so bringt, das neue Jahr. Ich bin nicht sehr skeptisch und auch nicht sehr schwarzmalerisch. Im Gegenteil, ich bin eher die Optimistin.

Wird die MS sich ausbreiten? Wird etwas Schlimmes dazukommen? Werden noch mehr Ausfälle zu kompensieren sein?

Solche Fragen stelle ich mir nicht. Es ist, was ist.

Jeder Tag ist ein neuer Tag mit neuen Möglichkeiten.

Rede ich auch noch so blasiert daher, wenn die MS mich tatsächlich dauerhaft in den Rollstuhl zwingt? Oder Schlimmeres?

Keine Ahnung, das sehen wir dann.

Bis dahin:

Happy new Year and have a nice day. Everyday!

have-a-nice-day

Weihnachtsdeko – oder doch nicht?

Ich bin im Weihnachtsmodus.

Zumindest gedanklich.

Ich liebe es, unser Heim weihnachtlich zu dekorieren. Ich mag Lichterketten und schöne Deko ringsherum.

Ein Weihnachtsbaum muss gar nicht sein,  ich kann schöne Kugeln auch an einem kahlen Fichtengewächs, das silber angesprayt ist, schön finden.

So getan im letzten Jahr, ich habe eine kahle Fichte, ein Bäumchen ohne Nadeln, das im Wald lag und der Verrottung anheim gestellt war, in mein Häuschen mitgenommen, silber angesprüht, mit ein paar Kieferzweigen vergesellschaftet, und schon hatte ich Weihnachten. Meine Familie fand es gut. Ich auch.

Solch Anwandlung überfällt mich auch dieses Jahr. ein Tännchen ohne Nadeln ist schon auserkoren und im Wald beiseite gestellt. Die Gefahr, dass es mir Jemand wegschnappt, liegt bei Null. Das Silberspray steht bereit und eigentlich kanns losgehen.

Ich habe Ladehemmung. Gedanklich packe ich Kugeln, Silberspray und Strohsterne zurecht, aber die wirkliche Handlung fehlt.

In der Küche hängt gleich neben der Lampe ein Birkenast, der seiner Bestimmung harrt, rote Kugeln und Strohsterne habe ich mir vorgestellt. Sah letztes Jahr schon toll aus.

Nun hängt er da, der nackte Birkenzweig.

Das nadellose Bäumchen steht im Wald.

Die Kugeln und Sterne lagern auf dem Boden. Die Lichterketten auch.

Es dauert noch. Der Weihnachtsmodus hängt…….

Deshalb fehlen auch die Fotos. Keine Deko – keine Fotos….

Aber ich bin gaaaanz sicher, der Weihnachtsmodus schlägt noch zu im snuselschen Heim.

Hoffentlich vor dem 24.12.——

Nachtrag:

es gab dann doch ein wenig Weihnachtsdeko, das Meiste ist in seinen Kisten auf dem Speicher geblieben. Keine Ahnung, was da los war.

Mein Weihnachtsmodus ist dekotechnisch weitgehend ausgeblieben, obwohl Weihnachten selber dann doch sehr sehr schön war. herz

Mach auf das Portemonnaie!

Ich bin Patientin. Soweit kann ich mir selber folgen.

Ich bin immerzu irgendwo Patientin. arzt

Es tun sich wundersame Dinge im Patientenland.

Einmal im Jahr ist Brustkrebs-Vorsorge. Mein Gewebe ist wohl so dicht, dass da nicht viel zu ertasten ist. Mir wird eine Ultraschall-Untersuchung angeraten, damit auch nichts übersehen wird.

 

Wer wird da nein sagen? Wer hat keine Angst vor Brustkrebs, bitte schön?

80 Euro kostet der Blick ins Brustgewebe. Meine 80 Euro, weil die Kasse das nicht zahlt.

Wenn ich mein Rezept für Krankengymnastik einlöse, habe ich mein Portemonnaie schon in der Hand: 10 Euro Rezeptgebühr und dann wird noch jede Anwendung mit einem Festbetrag von mir subventioniert.

Ganz prima.

Beim Zahnarzt bekomme ich die Hiobsbotschaft, dass die Wurzeln eines Zahnes den Aufstand proben, der nur mit einem ultramodernen Maschinchen behoben werden kann. Die „normalen“ Kassenmethoden reichen nicht.

100 Euro aus meiner Schatulle bitte sehr.

Genutzt hat es nichts, der Zahn muss raus und ich stehe vor einer echten Investition in eine Brücke über die unschöne Zahnlücke. Von dem Geld kann ich getrost ein halbes Jahr in Italien Urlaub machen.

Das alles ist in den letzten paar Tagen passiert. Mein Portemonnaie ist leer.

portemonnaie

Zur Bank kann ich theoretisch auch nicht gehen, da dort auch die chronische Schwindsucht grassiert:

Meine karge Erwerbsunfähigkeitsrente wird vom Staat besteuert plus Progression, da mein Mann ja noch arbeiten geht. Mehr als tausend Euro jedes Jahr  aus unserer Geldbörse an Vater Staat, der damit sowieso nur Unsinn macht.

Dazu kommt, dass es fast unmöglich geworden ist, telefonisch einen Facharzttermin zu vereinbaren. Es ist bei allen Fachärzten ist  chronisch „besetzt“

Tut-tut-tut-tut-tut….

ich träume schon davon.

Einige meiner Beschwerden habe ich auf diese Art und Weise, quasi beim täglichen Telefonieren schon ausgesessen.

Vielleicht ist das die Methode? Den Patienten solange in der Warteschleife verharren lassen, bis die Beschwerden entweder von allein abklingen, oder der Patientendussel am Telefon tot umgefallen ist.

Habe ich dann tatsächlich einen Termin ergattert, rauscht ein Arzt herbei, klopft auf mir herum, rennt geschäftig hin und her, nach fünf Minuten stehe ich wieder vor der Tür statt dahinter und ich kann nicht mal sagen, ob der Kerl einen Bart hatte oder nicht.

Nicht, dass das für die Behandlung eine Rolle spielt, es ist nur so, dass alles so schnell geht, dass ich nicht mal sicher bin, ob der Arzt überhaupt verstanden hat, was mir fehlt.

Wenn eine neue Brille dieses Jahr noch fällig wird, fallen die Weihnachtsgeschenke definitiv aus! Eine neue Brille kostet mehr, als ein Blindenhund jährlich an Futter verfrisst.

Dabei zahle ich genauso Krankenkassenabgaben wie Jeder Andere auch.

krankenversicherung

Geht es allen Patienten so? Geht es nur mir so? Bin ich empfindlich? Meine Erfahrungen im Krankenhaus konntet ihr ja schon nachlesen, im täglichen Praxistest isses auch nicht besser.

Kann ich mich bewerben als Praxistesterin? DAS wäre was! Weiß Jemand, wo ich mich bewerben kann?

Schau mir in die Augen, Kleines

Gestern war unser Halbjahres-Workshop in Darmstadt. Ich bin Teil des Blogger Teams bei Einblick.

Einblick.MS-persönlich

Es ist immer wieder toll, wie sich die Gruppe gegenseitig inspiriert und wie die Ideen nur so sprudeln!

Inzwischen gibt es auch einen tollen Trailer, den ihr euch hier ansehen könnt:

Trailer zu Einblick.MS-persönlich

Eines unserer Themen war Angst.

Ich denke nicht oft darüber nach, aber nun ist er da. Der Gedanke an alles Mögliche, das Angst macht.

Mir war ganz und gar entfallen, dass ich eigentlich immerzu Angst vor irgend etwas habe. Es ist nicht so, dass ich von morgens bis abends herumlaufe mit dem Tier „Angst“ im Nacken.

Aber so tief in der Magengrube, da wo es dunkel und immerzu ein wenig unheimlich ist, da liegt sie auf der Lauer, die Angst.

Meine größte und auch diffuseste Angst, ist, zu erblinden aufgrund der MS. Der Sehnerv liegt recht ungeschützt herum und ist anfällig für Entzündungen. Der Gau ist dann die vollständige Erblindung.

blind

Manchmal nachts, wenn es wirklich ganz dunkel ist, wenn die Straßenlaternen aus sind, der Mond nicht scheint, und ich auf der dem Fenster abgewandten Seite liege und des Nachts aufwache, ist es für einen Moment absolut dunkel. Mein erster Gedanke ist immer:

  • „Bitte lass es so dunkel sein und lass diese Dunkelheit nicht von meinem Innern kommen!“

Bisher hat das immer geklappt, ich wünsche mir nichts mehr, als dass es so bleibt. Ich kann mittlerweile so ziemlich alles akzeptieren, was die olle Tante mit mir anstellt. Aber Blindheit?

Da hört meine Vorstellungskraft einfach auf.

blindenpunkte

Aber mal ganz im Ernst, bis vor einigen Jahren hätte doch ein Rollstuhl auch nicht in dein Weltbild gepasst.

Ja, das stimmt, aber Blindheit ist nochmal eine ganz andere Nummer. Nichts von dem, was ich momentan so gerne tue, würde dann funktionieren. Ich könnte nicht malen, stricken, spinnen, Kurse geben, im Lädchen sein….

Ich muss überlegen: stricken und spinnen geht doch ohne Augenlicht! Das braucht nur Übung!

Ich will mir das nicht überlegen und auch nicht vorstellen!

Bitte liebe olle Tante, mach was du willst, steck mich in den Rollstuhl, von mir aus schlag mich mich Inkontinenz und Vergesslichkeit, aber lass meine Augen in Ruhe!

augen

Davor habe ich Angst! Olle Tante, hörst du?

Mmmpf, ich kann die olle Tante bitten und betteln, ich kann meinen Neurologen nerven oder ständig überprüfen, ob ich schwarze Blöcke, Streifen oder gar nichts mehr vor Augen habe. Niemand kann das versprechen, vorhersagen oder gar ausschließen.

Rein theoretisch kann ich morgen aufstehen und blind sein.

Praktisch auch.

MS ist Scheiße.