Hakuna matata

Es gibt keine Probleme.

So heißt das übersetzt.  Die Löwen wissen Bescheid! Das Lied mit dem gleichnamigen Titel ist ja nicht umsonst der Titelsong beim “König der Löwen”.

Ich hatte auch so ein “Hakuna matata”. Neulich beim MRT.

Magnetresonanztomographie, das Wort ist genauso sperrig wie die Untersuchung selbst. Man wird in eine Röhre großen Ausmaßes geschoben, bekommt den Kopf fixiert, ehe man sich versieht, steckt ein Zugang in der Vene …..fürs Kontrastmittel….

und los gehts.

Die Geräusche in dem Ding sind keine Geräusche. smiley_emoticons_panik4

Es ist der Weltuntergang im Kleinen. Zumindest für Denjenigen, der mit dem Kopf in dem Ding steckt. Es rumpelt, hämmert, klopft, ballert, knallert und summt, fährt hin und her, schweigt, rumpelt wieder los.

Von einer Zehntelsekunde auf die Nächste: absolute Ruhe

Nur um dann wieder völlig ohne Vorwarnung loszuknallern.

So geht das geschlagene 20 Minuten hin und her.

Damit Einem nicht langweilig wird, bekommt man Kopfhörer mit einem Radiosender auf die Ohren, da hört man sowieso nichts von, während das Ding die Hölle loslässt.

Am Ende der Untersuchung kommt ein mehr oder weniger fröhlicher Arzt und teilt einem die ersten augenscheinlichen Ergebnisse mit.

In meinem Fall hat er mir dazu gratuliert, dass nichts Neues zu sehen ist. Ein paar kleine Herde, ein bißchen bling bling im Kopf, aber na ja….. keine großen Probleme im Kopf.

“Das ist doch ein schönes Ergebnis!”- sprachs und entschwand.

Ich saß da und habe mich gefragt, ob ich jetzt lachen oder doch lieber weinen soll. Klar, der Mann ist Radiologe und kein Neurologe, aber so ganz grundlegende Dinge sollte er doch wissen, meine ich.

Für meinen primär progredienten Verlauf heißt das:

Snuselchen, in deinem Köppi ist wenig Licht, aber dafür gehen wohl deine Nervenverbindungen still und leise einfach den Bach runter.

Einfach gesagt:

Schubweiser Verlauf – viel Entzündungsaktivität, die auch wieder weggeht und mit ihr die meisten Einschränkungen

Progredienter Verlauf – wenig Entzündungsaktivität, dafür gehen die Nervenverbindungen einfach unter, sterben ab, verkrümeln sich, sind weg

Und was weg ist, ist weg.

Einen Vorteil hat das ja: was weg ist, macht keine Probleme. Zwinkersmilie

So schließt sich der Kreis:

Hakuna matata

Die Anarchie der Beine

trifft es eigentlich ganz gut.

Damit hat vor drei Jahren die Multiple Sklerose Einzug gehalten in Snusels Welt. Meine Beine haben nicht mehr das gemacht, was ich wollte. Sie entwickelten ein Eigenleben, das mir nicht gefiel. Sie waren schwer wie Blei, schmerzten und wollten einfach nicht mehr voran.

Dazu kam die Anarchie:
In den Beinen tobte ein Tsunami nach dem Anderen. Restless Legs heißt das auf gut deutsch.

Den Ärzten gefiel das auch nicht, aber noch viel weniger habe ich den Ärzten gefallen. Meine ständige Nachfragerei und Hinterfragerei und Infragestellerei hat bei den Ärzten so etwas wie ein “Ich-schick-dich-in-die-Wüste”-Syndrom ausgelöst. Die Wüste war dann das Klinikum in Göttingen. Wobei Wüste nicht das richtige Wort ist, Bermuda-Dreieck trifft es da besser. Das Dreieck bildeten die Ärzte, Meinereiner und die Multiple Sklerose, wobei ich da noch gar nicht wusste, dass sie mit von der Partie ist. Sie tarnte sich zunächst und narrte ein wenig herum als mögliche Borreliose, einfaches Rheuma und dann tatsächlich als möglicherweise ziemlich fieses Rheuma.

Das war aber alles nichts, nach drei Wochen Krankenhaus, einer Lumbalpunktion, jeder Menge Blutabnahmen, smiley_emoticons_spritze_lila
Reflexteste, bis meine Knie aussahen wie die Landkarte vom Auenland,  und einem MRT stand dann fest: ich habe Entzündungen im Gehirn, huhuhu. Mit finsterer Miene und einem Zauberer-Dumbledore-Gehabe hat mir der Arzt vom Dienst die frohe Botschaft überbracht. Sprachs—- und verschwand mit seinem ganzen Tross bzw. Gefolge, die alle ähnlich ernst und finster guckten.

Ich hingegen habe weder ernst noch finster geguckt, ich habe erst einmal fünf Minuten gebraucht, um zu verstehen, was “Dumbledore” damit meint. Nachdem mir das dann ins entzündete Hirn gerieselt war, habe ich erst einmal finster geheult. Zum finster gucken war mir nicht.

Ich bekam noch mit auf den Weg, bevor die Tür hinter dem Ärztetross ins Schloss fiel, ich solle mich nicht verrückt machen und ja nicht so viel im Internet über MS nachlesen. Was zur Folge hatte, dass ich mich so ganz wirklich verrückt machte und jeden Fatz im Internet nachlas, der auch nur annähernd zum Thema gehörte.

Das alles führte dazu, dass ich mein Leben als weitgehend abgeschlossen betrachtete und mein Krankenhausbett zu einer Art Arche Noah ohne Tiere wurde, nur für mich ganz allein im großen Meer des Unversitätsklinikum-Universums. —Nein, ich war ja nicht allein, die MS war ja auch noch da, saß und sitzt noch in meinem Körper und bockt gelegentlich herum.

Dann saßen die MS und ich uns gegenüber, tagelang, wochenlang.
Die MS hat mir gebetsmühlenartig ins Ohr geflüstert, was alles nicht mehr geht und dass ein Rollstuhl doch die wahre Offenbarung sei.

Ich habe der guten alten Tante MS was gepfiffen. Damit sie sich richtig sicher fühlt und nicht dauernd nervt, habe ich ihr einen Rollstuhl organisiert, in den ich sie setze, damit es ihr gut geht.

Aber ich habe was Anderes beschlossen. Soll sie doch in ihrem Rollstuhl sitzen, die alte Tante!

Ich hab keine Zeit für sowas! Ich fahre Fahrrad (ja, ok mit drei Rädern und Hilfsmotor), ich geh klettern (ja, ok, ich bin etwas langsam), ich spinne meine Wolle am Spinnrad selber, ich färbe Wolle, ich stricke und häkele und filze und kreativiere und ich vermarkte alle meine kreativen Einfälle  mit meiner Familie zusammen auf Märkten in der Region.

Und das alles macht mir hölle viel Spaß!