Mut und andere sinnvolle Dinge

Seit einiger Zeit bin ich Teil einer Bloggergruppe, die über ihr Leben mit MS schreiben.

Ich hätte nie gedacht, dass es überhaupt andere Menschen interessiert, wie ich mit der „ollen Tante MS“ zurechtkomme. Unser täglicher Schlagabtausch ist tatsächlich von Interesse!

Die Seite hat ein neues Outfit bekommen und das Thema des Monats ist dann auch ganz passend: Neustart!
Einblick.ms-persönlich.de

Ich habe in diesem Projekt  wirklich tolle Menschen kennengelernt, die einen bewunderswerten Mut besitzen, den Mut des Löwen, seine Beherztheit und seine Unbeirrbarkeit.

In diesem Projekt arbeiten Menschen, die sich nichts nehmen lassen, oder nur wenig. Die viel mehr ihren Traum leben als  viele gesunde Menschen.

Das macht auch mir aufs Neue immer wieder Mut.

Mut wofür?

Für alles, auf alles, auf neue Dinge. Dinge, die zunächst unmöglich erscheinen. Dinge, die ein wenig schräg und verrückt sind. Dinge, die das Leben zu etwas ganz Besonderem machen.

An Tagen, an denen die olle Tante ihr Bestes gibt und mich in die Knie zwingt, hole ich meine imaginäre Wuschliste heraus und ich „lese“ sie wie ein Mantra.

Dinge, die ich machen möchte, erleben möchte, sehen möchte.

Klappt immer, danke Leute! Allein schon dafür ist es so schön, ein Teil dieser Gruppe zu sein.

Die Angst im Nacken

Heute habe ich in einem Forum einen Beitrag eines MS Patienten gelesen, der große Angst vor der Zukunft hat, weil seine Gehfähigkeit ihn fast völlig verlassen hat.

Das hat mich betroffen gemacht und traurig gestimmt.

Ich hatte es fast völlig vergessen….dieses fiese Ding, das dir den Nacken hochkriecht und sich dann wohlig dort einnistet, laut schnurrend vor lauter Wohlbehagen. Nachts streckt es seine Krallen aus und kriecht dir erst ins Gesicht und dann ins Hirn.

Angst

Eigentlich dient das Gefühl der Angst ja dazu, Mensch vor zuviel Wagemut zu bewahren.

Das Tier hier ist ganz anders. Es lähmt schon den Atem, die klaren Gedanken verschmelzen zu einem undurchdringlichen Dschungel aus Stimmen und Gedanken, die alle etwas Gegenteiliges wollen, die Hände sind so kalt, dass sie die Farbe von angelaufenem Silber annehmen.

Während dir die Gänsehaut die Kopfhaut hinaufkriecht, sitzt das Tier in deinem Nacken und leckt sich die Pfoten.

Beute gemacht, Sieg auf der ganzen Linie. Es schnurrt so laut, dass es dir die Sinne verwirrt und du dein Gegenüber kaum verstehen kannst. In deinen Ohren tobt ein Orkan, das Blut rauscht dir schneller durch Dieselben, als Platz in den Adern ist. Im Mund explodiert der metallische Geschmack von Adrenalin.

Ich erinnere mich…..

Jede, Jeder, der schon einmal eine ganz schlechte, lebensverändernde Nachricht bekommen hat, erinnert sich…..

 

Und es gibt nur noch einen Gedanken, der zu funktionieren scheint:

– Nein, ich will das nicht. Mach es rückgängig. Nimm das weg.

Wer auch immer damit gemeint ist. Manchmal ist Gott gemeint, manchmal nicht.

 

Und dann braucht es vor allem Zeit, das Tier wieder loszuwerden. Und trotz aller Bemühungen bleibt es manchmal länger, als es gut ist.

Dieses Tier will nicht warnen, es will zerstören, und es will bleiben.

Mensch hat alle Hände und Gedanken voll zu tun, dieses Ekel wieder loszuwerden.

Snusel hat seit Neuestem ein Schild an der Tür:

Telekom-Mitarbeiter, Drahtbürstenverkäufer und das Tier namens Angst bitte woanders klingeln!