Hanau ist überall.

Schon immer.

Wir regen uns auf, wir bedauern, wir trauern, wir fassen uns an den Händen, zünden Kerzen an.


Alles gut, richtig und auch wichtig.

Aber zu kurz gefasst. Dann gehen wir wieder zum Tagesgeschehen über. Wenden uns unseren großen eigenen Problemen zu:
– was koche ich zum Mittag?
– kommt das Kind pünktlich und hat es diesmal sein Frühstück gegessen?
– warum sitzen meine Haare nie, wenn ich einen wichtigen Termin habe?

Solche wichtigen Dinge halt……

Wie lange dauert es, bis wir endlich aufstehen? Und uns wehren? Was muss noch passieren?

Ich kann das nicht beantworten…..

Immer, wenn mich etwas sehr intensiv beschäftigt, dann fallen mir Reime ein. Ja, es ist ein wenig verrückt. Ich denke viel und oft in Reimen.

So auch dieses Mal. Ich bitte euch, liebe Leser, wenn es euch gefällt, was mir eingefallen ist, dann teilt es. Dann schickt es umher. Vielleicht hilft es, dass wir endlich aus unserer Lethargie erwachen. Seid so gut….

Angeklagter

Angeklagter, erzählen Sie nun,
was hat das Opfer mit Ihnen zu tun?

Mit mir zu tun? Ich hör wohl nicht recht
Sie sind neben uns eingezogen, mir wurde gleich schlecht!

 Es weiß doch Jeder hier in diesem Land
und man sieht`s ja auch im Übrigen an ihrem Gewand,

 sie überschwemmen uns in großer Zahl,
wir als Einheimische haben ja gar keine Wahl!

Angeklagter, das ist ja alles recht interessant,
für diesen Fall aber hier gar nicht relevant!
Was hat Sie zu der Tat gebracht?
Was hat Sie zum Täter gemacht?


Aber Herr Richter, das weiß doch inzwischen jedes Kind,
 dass wir hier fremdgesteuert sind.
 Die Presse ist von fremder Macht getrieben
 von der Wahrheit ist doch nichts übrig geblieben!
               

Angeklagter, mir platzt gleich der Kragen,
was wollen Sie uns nun damit sagen?

Also gut, ich beginne von vorn,
wie er begann, der ehrwürdige Zorn.

Unsere Siedlung, Herr Richter, ist wirklich idyllisch adrett;
alle Nachbarn verstehn sich und behandeln sich nett.

Wir wissen alles von Jedem und passen auch auf, dass Niemand sich
gegen die Regeln verhält.
und wir wollen auch wissen, wer sich da zu uns gesellt!

Und die neuen Nachbarn von drüben, die waren suspekt,
die haben sofort mein Misstrauen geweckt.

Angeklagter, was gab es da zu bemängeln?
Sie können doch nicht alle Mitbürger gängeln?

Herr Richter, da kennen Sie uns aber schlecht,
ich sag´s Ihnen deutlich, mit Fug und mit Recht:

Wer hier bei uns lebt, der soll sich benehmen,
für das Volk da kann man sich nur schämen!

Kopftuchmädchen und Messermänner,
Knoblauchfresser und Islambekenner
zusammengerottet in ganzen Sippen!
Wie kann man das dulden? Ich muss doch sehr bitten!

Angeklagter, Sie sehn mich entsetzt,
wer hat Ihnen denn diesen Floh ins Ohr gesetzt?

Aber Herr Richter, sehn Sie`s denn nicht?
Das bittere Ende dieser traurigen Geschicht?   

Wir werden hier völlig überrannt,
Überfremdung geschieht im eigenen Land!

Unser Volk wird untergehn,
wenn wir nicht endlich geschlossen stehn!

Eine einzige Partei hats endlich erkannt!
Wir werden Fremde im eigenen Land!

Ich wollte die da drüben doch nur belehren,
das können Sie mir doch nicht verwehren!

Der Ball der kleinen Türkin, er rollte ins Beet,
und hat meine schöne Tulpe umgeweht.

Herr Richter, ich versteh nicht so recht,
was war an meinem Verhalten schlecht?

Ich hab dem Kind doch nur gezeigt,
wie man das Ballspiel hierzulande betreibt!

Kopfball, Tor! Ins obere Eck!
Bumms, da war das Kopftuch weg!

Dass ihr Kopf dabei zu Schaden kam,
und das Ganze ein unrühmliches Ende nahm,

das war ja nun wirklich kein Vergehn,
höchstens ein blödes Versehn.

Und außerdem, was soll man sonst dazu sagen?
Die haben ja noch fünf andere Blagen!

———–

Stille im Saal, es gab keine Fragen,
es gab einfach nichts mehr dazu zu sagen.

Ist das unsere Zukunft? Wird das öfter so enden?
Wollen wir uns wirklich dieser Gesinnung zuwenden?

Ihr Bürger da draußen, setzt euch endlich zur Wehr,
diesen Gleichmut zu ertragen, fällt entsetzlich schwer.

Sie wollen uns jagen, das warn ihre Worte,
das galt Euch und für Jeden, egal an welchem Orte!

Ich umarm dich im Geiste, du kleines Kind
meine Worte verhallen wie Geflüster im Wind.

Copyright Christina Emser

Hanau

Beitragsnavigation


Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.