Deutsche Bahn und der Mobilitätsservice

oder was die Bahn darunter versteht.

Meine ältesteTochter hat mir eine tolle Reise nach London zum Geburtstag geschenkt. Ich könnte ausflippen, so sehr freue ich mich!

Tower Bridge in London

In zwei Wochen gehts los!!

Ich muss aber ALLEINE aus meiner Heimatstadt, immerhin mit ICE Anbindung, nach Hamburg fahren, von dort geht der Flieger in die englische Metropole.

Da ich in London so viel wie möglich sehen möchte, soll Jolanthe, mein Rollstuhl mit. Sonst ist bei mir nach einer Stunde Schluss mit Besichtigung, wenn es dort heiß sein sollte und sehr viel Trubel herrscht, sogar noch früher. Jolanthe bei der Fluggesellschaft anzumelden, war überhaupt kein Problem. Fluggesellschaften scheinen das Wort “barrierefrei” gut verstanden zu haben.

Jolanthe

Aber jetzt kommt die Bahn!

Ich rufe also heute morgen die Hotline für den Mobilitätsservice der Deutschen Bahn an. Eine freundliche Dame kümmert sich um mein Anliegen.

Ich erkläre ihr, dass ich gehfähig bin und somit alleine in den Zug steigen kann, ich kann ganz normal reisen, aber um Jolanthe muss sich Jemand bitte kümmern. Ich habe meinen Rollkoffer dabei, bin gestresst, um ja meinen Wagen samt Platz zu finden. Das Reservierungssystem prophezeit mir, dass der Zug voll sein wird. Halleluja! Ich freue mich auf den Bahnservice.

Jetzt kommts! Ich denke, ich höre nicht recht!

Der Service sieht so aus, dass mir ein Bahnmitarbeiter die Jolanthe vom Infopoint bis VOR den Zug stellt. Danke, aber das kann ich ja selber! Ich brauche Jemanden, der Jolanthe in den Zug hievt und und in Hamburg auch wieder raus! Ich bin schon mit meinem Koffer vollauf beschäftigt!

Nein, das geht nicht! Die Mitarbeiter bringen den Rollstuhl bis an die Zugtür und holen ihn auch erst auf dem Bahnsteig wieder ab für mich. Um ihn genau WOHIN zu schieben?

Nochmal zum Mitschreiben:

Ich muss allein den Rollstuhl in den Zug hieven, ein Reiseplätzchen für Jolanthe suchen und am Zielbahnhof muss ich sie auch allein wieder aus dem Zug hieven und da kommt dann ein blau gekleiderter Helfer. Ahaaaaaa

Ach jaaaaaa, jetzt kommt der Oberhammer! Diese bombastische preisverdächtige Hilfeleistung kommt nur zustande, wenn denn an beiden Bahnhöfen überhaupt ein Mitarbeiter/eine Mitarbeiterin der Bahn verfügbar ist für diesen Service!!! Ja, dafür melde ich das doch so früh an, ich fahre ja schließlich erst in 14 Tagen!

Jaaaa, aber was so alles passieren kann bis dahin! Sie betont noch einmal, dass dieser Service abhängig ist von der der Personalplanung. Ich bekäme aber Bescheid. Sie schlägt mir noch eine Platzreservierung nahe der Tür vor, damit ich nicht so weit manövrieren muss. Wie umsichtig! Und wenn ich ganz viel Glück habe, dann hält sich der Mitarbeiter/die Mitarbeiterin nicht an die Anweisung und hilft der Jolanthe in den Zug! Es ist ein Glücksspiel! Wie aufregend!

Tatsächlich teilt man mir kurze Zeit später mit, dass meinem Anliegen doch tatsächlich entsprochen werden kann, man stellt mir also wirklich die Jolanthe VOR den Zug!

Ich schlage ernsthaft und ohne jeden Sarkasmus vor, dass ein Entscheidungsträger der Deutschen Bahn sich bitte mal Bleigewichte ans Bein bindet und so eine Gehbehinderung simuliert und dann mal seinen Rollstuhl samt mitgeführtem Koffer allein in den Zug hievt, durch den voll besetzten Zug manövriert und am Zielbahnhof den Rollstuhl auch wieder aus dem Zug schleppt, auch wieder mit dem Koffer noch im Schlepptau!

Updat 28.6.2019:

Und da ich nicht nur motzen, sondern möglichst auch die Situation ändern möchte, habe ich heute an den Chef der Bahntruppe geschrieben:

Sehr geehrter Herr xxx,

ich habe gestern, Do. 27.06.2019 zwischen 11:00 Uhr und 11:30 Uhr, ein Gespräch mit Ihrem Mobilitätsservice geführt, da ich einen Rollstuhl auf meiner Reise mitführe. (Gespräche werden ja mitgeschnitten ;-))

Zu Ihrer werten Information: ein Fahrgast hat einen Rollstuhl dabei, weil er/sie mobilitätseingeschränkt ist. Das sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Was mir Ihre Mitarbeiterin gut gelaunt offeriert hat, können Sie hier nachlesen, die Geschichte ist auch so auf meinem Blog nachzulesen:

Blogzitat:
Deutsche Bahn und der Mobilitätsservice

Veröffentlicht am 27. Juni 2019

hier folgt dann der Text, der oben steht

Blogzitat Ende
Ich wünsche viel Erfolg und vor allen Dingen eine entspannte und vergnügliche Reise bei Ihrem hoffentlich stattfindenden Selbst-Experiment.

Mit freundlichen Grüßen

Update

So, es gibt Neuigkeiten zu meiner “Mobilitätsgeschichte”, wir sind wieder zurück von einem wunderschönen Wochenendtrip nach London! Was für eine großartige Stadt! Es war supertoll, die Stadt ist einfach eine Reise wert, wenn nicht mehrere! Fahrt hin, lasst euch Mitnehmen vom wuseligen Treiben dieser Stadt!

Meine Reise begann am Bahnhof in Göttingen, dort war ich sehr überrascht, es hat alles gut funktioniert, man hat mir in den Zug geholfen und meine Jolanthe (Rollstuhl) wurde verstaut und in Hamburg wurde ich auch wieder mit ihr auf den Bahnsteig gestellt. Die Angestellten dort waren mit Recht entrüstet, was mir die Callcenter Dame wohl für Unwahrheiten erzählt hätte.

Unser Hinflug verlief ähnlich unkompliziert, überall Hilfe und Unterstützung.

Aber der Rückflug von Heathrow nach Hamburg war dann der Knaller! Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich die Crew von Flug EW7462 am So. 14.07.2019 um 19:45 Uhr ab London Heathrow, operated by Germanwings ansprechen!

Wir mussten leider ganz hinten sitzen, die Maschine war voll, aber das war ja kein Problem. Im Laufe des Fluges kam die Flugbegleiterin mehrere Male zu unserem Platz, um uns zu versichern, dass sie alles versuchen, dass meine Jolanthe auch gleich nach der Landung wieder am Flugzeug bereitsteht. Das wäre in Hamburg leider nicht immer selbstverständlich. Wir waren ganz entspannt, hatten ja nichts weiter vor und warteten ab.

Nach der Landung warteten wir ab, bis alles Passagiere aus der Maschine gestiegen waren und dann machten wir uns auf dem Weg nach vorne. Dort stand der Flugkapitän persönlich und bot sich dann, Jolanthe eigenhändig aus dem Frachtraum zu holen und mir vor die Füße zu stellen. Gesagt, getan. Innerhalb von fünf Minuten stand die Jolanthe vor mir und es war inzwischen auch ein Helfer vom Roten Kreuz eingetroffen, der uns flugs durch die Kontrollen geleitete.

Das war superphantastisch! Ganz herzlichen Dank! Das war weit mehr, als man erwarten kann! Germanwings ist da super aufgestellt!

Dafür war die Bahn auf der Rückreise nach Göttingen umso belämmerter. Zumindest in Hamburg. Ich sollte mich zwanzig Minuten vor Zugabfahrt am Reisezentrum einfinden, da würde man mich mit Jolanthe abholen. Ich stand da dieses Mal allein mit Koffer und Rollstuhl!
Kam Keiner…..

Ich reihte mich in die Schlange der Wartenden am Reisezentrum ein und bekam ein mulmiges Gefühl. Es war nicht mehr viel Zeit, die Schlange lang und nur zwei Mitarbeiter an den Servicestellen!
Die Schlange schleppte sich dahin, die Zeit lief!
Dann ging Einer der Servicemitarbeiter auch noch weg! Und die Dame, die an der Reihe war, wollte offensichtlich alle Details einer Reise in den Kongo wissen! Ich wurde unruhig.
Als ich dann doch an der Reihe war und mein Anliegen schilderte, meinte die Bahnservicetante ungerührt, ich müsse selber auf den Bahnsteig holstern, da wäre dann schon Jemand….

Keine Zeit mehr für einen Aufstand! Wo ist der Fahrstuhl?????
Hetz hin

Und natürlich stehen da Tussen mit rosa Koffern kichernd und aufs Handy glotzend vor dem Fahrstuhl, weil sie ihre Glitzerkoffer nicht die Treppe hochholstern wollen.
Oh Mann, Stress machte sich breit!
Endlich auf dem Bahnsteig!
Servicemitarbeiter finden!
Bahnsteig entlang gerannt, das Häuschen gefunden, in dem die Bahn so sitzt. Junger Mann äugt mich an: -“Sie sind Frau E.? Ich warte schon auf Sie…”

Isses wahr! Ich platze fast, aber es ist keine Zeit für Allüren, der Zug kommt und er hilft der Jolanthe in den Zug.
Im Zug sollte ich warten, bis ein Zugbegleiter kommt, die wüssten Bescheid.

Jaaaa klar, dafür habe ich das ja auch angemeldet, du Blitzmerker!!!

Kommt auch tatsächlich und geleitet mich zur Ersten Klasse!

Ich will protestieren, doch ich werde beruhigt, das wäre alles richtg, die Rollstuhlplätze wären im Erster Klasse Wagen und ich könnte dort sitzen!

Jetzt war ich aber baff!

Das war eine schöne Entschädigung! So bin ich dann doch noch ganz entspannt in Göttingen eingetroffen, ich wurde mit Keksen und Kaffee versorgt, und man hätte mir auch ein Sandwich oder ein Bier gebracht, wenn ich denn Eines gewollt hätte!
Also wenn die Bahn will, dann kann sie!

27.08.2019

Jetzt gibt es das Update mit einer Reaktion der Bahn!

Heute kam ein Schreiben, in dem die Bahn meine Odyssee sehr bedauert zusammen mit einem Reisegutschein.

Was mir aber viel wichtiger ist, es gibt die Zusicherung der Bahn, dass noch in diesem Monat eine Besprechung der beteiligten Fachabteilungen anberaumt ist, um eben solche Fälle wie den Unseren zu besprechen, damit Ärgernisse dieser Art in Zukunft nicht mehr (oder wenigstens sehr viel weniger) vorkommen.

Hurra! Wollen wir hoffen, dass das nicht nur leere Worte sind und nun Bahn-Taten folgen!

Ich werde den Reisegutschein zusammen mit Jolanthe “verprassen”.


Träume und MS

Ja, Träume und MS, passt das überhaupt zusammen?
Sollte man sich den Luxus tatsächlich gönnen? Wo doch eh alles vorbei ist mit so einer Krankheit im Hintergrund? Und manchmal auch im Vordergrund?
Ist es da nicht besser, sich seinem Schicksal zu ergeben, anstatt Luftschlösser zu bauen?

Ganz im Gegenteil!

Einblick.ms-persönlich beschäftigt sich in diesem Monat mit dem Thema Träume.

Lara zeigt euch eindrucksvoll, wie  man trotz MS um die Welt kommt und was das Wort “aber” mit uns anstellt
Aber. Ein Wort. Vier Buchstaben. So eine große Macht.

Alex schreibt über ihr Heimweh und ihren Traum, wieder in ihre Heimat zurückzukehren.
Es ist nirgends schöner als daheim.

Gina trägt sich mit Schnapsideen, die sie umsetzen will oder eben auch nicht.
Träume sind erst dann stark, wenn sie wahr werden.

Maren reflektiert in ihrem Beitrag über ihre Tochter Gina ihre Sicht zu den Träumen von Gina
Egal was kommt, meine Tochter wird es meistern.

Wolkenkuckucksheim ist immer eine Reise wert. Und wer keine Träume hat, kommt am Ende wohl Nirgendwo hin, mit oder ohne Multiple Sklerose.

Reisen und MS

Da ich ja nun doch schon einige Erfahrungen mit unterschiedlichen Reisezielen gesammelt habe, bilde ich mir doch tatsächlich ein, ich kann euch einige nützliche Tipps dazu geben.

Mit der ollen Tante MS zusammen zu verreisen ist weder kompliziert, noch irgendwie unmöglich.

Es geht genauso, wie ohne. Na ja —–fast……

Das olle Mädchen braucht halt ein paar spezielle Goodies im Urlaub, damit sie sich wohlfühlt und nicht ausgerechnet dann  rumzickt, wenn man es am allerwenigsten braucht.

Aus meiner Erfahrung würde ich mit MS nicht ins Hochgebirge fahren, das ist  für den Körper eine große Anstrengung. Ich würde auch nicht in Länder fahren, die keine ausreichende medizinische Betreuung im Notfalll gewährleisten oder die über eine extrem hohe Luftfeuchtigkeit verfügen. Wenn ihr in die Tropen wollt, dann würde ich das mit meinem Arzt besprechen.

Das ist meine ganz persönliche Wertung, natürlich könnt und sollt ihr dahin fahren, wo ihr wollt. Macht einfach alles, was euch Spaß macht, fahrt dahin, wo ihr unbedingt hinwollt. Bereitet euch aber gut vor, damit aus eurer Traumreise kein MS-Albtraum wird. Die olle Tante reagiert sehr zickig auf Klimaveränderungen.

Ich habe euch zusammengestellt, wie meine Erfahrungen aussehen, wie ich meine Reisevorbereitung gestalte und was mir zu dem Thema so durch den Kopf geht.

Reisen und MS

Dalmatien im Spätsommer

“I´ll be back”, wie der Terminatorkenner sagt.

Unser Urlaub ist zu Ende, vier Wochen Dalmatien in seiner schönsten Form liegen hinter uns.

Als der liebe Gott gute Laune hatte, hat er sich Dalmatien ausgedacht.

Das könnte man meinen. Es ist soooo sooo schön dort! Ein strahlend blauer Himmel über türkisfarbenem Wasser! Kaum zu glauben, dass es das wirklich so gibt!

Wir hatten uns  die Halbinsel Pelsejac zwischen Split und Dubrovnik ausgesucht. Sie ist entweder mit dem Auto oder mit der Fähre zu erreichen. Wir haben uns auf der Hinfahrt für die Fähre entschieden. Das das eine gute Entscheidung war, habe ich spätestens bei der Ankunft in Trpanj bemerkt. Es ist, als ob du im Orient ankommst, Palmen, Bougainvilleen, Olivenhaine, Mandarinenbäume und  die typisch mediterane Bebauung. Einfach traumhaft!

Ich hatte ein wenig Bammel vor der Wärme Tag und Nacht, aber das war unbegründet. Die Wärme dort ist nicht mit unserer schwülen Briete, die einem auf der Brust zu liegen scheint,  zu vergleichen. Ja, es ist warm, aber trocken warm und es weht fast immer eine kleine Brise. Herrlich! Ich habe es prima vertragen.

Wir haben Ausflüge nach Ston und Dubrovnik gemacht, immer an der Küste entlanggefahren, das allein war schon die Ausflüge wert.

Einer der schönsten Tage, die wir in Dalmatien hatten, war unser Bootstrip nach Korcula, das Inselchen, das Pelsejac gegenüberliegt. So etwas Schönes! Wie eine kleine Märcheninsel im blauen Wasser! Toll, schaut euch einfach die Bilder an.

           

Das Essen in Dalmatien ist nicht so sehr meins, ich bin schon ein wenig ein Essensterrorist. Viel zu fleischlastig, und wenn es nur ein wenig nach altem Fett riecht oder sonstwie komisch, dann bin ich schon raus, ich habe auch immer wenig Vertrauen in die Einhaltung der Kühlkette in südlichen Ländern, so dass ich mich leider an Fisch nicht herangetraut habe. Die Vorstellung, tagelang über einem Eimer und auf dem Klo zu verbringen, hat mich davon abgehalten. Bestimmt bekloppt, aber war so!

So habe ich Brötchen mit Butter und Pizza Margaritha gegessen, das war so grob gesagt meine Ernährung in den vier Wochen, neben Obst und Gemüse natürlich!

Wir haben supernette Bekanntschaften gemacht, aber auch ein paar sehr merkwürdige Vertreter der menschlichen Rasse kennengelernt, ein Campingplatz ist eine Art Schmelztiegel, du kommst recht unmittelbar mit Leuten in Kontakt. Du siehst, was sie so den ganzen Tag treiben, wann sie essen, vielleicht schlafen oder wie sie sich anderweitig den Tag vertreiben. Was übrigens gar nicht schwer fällt, das Meer und das Wetter bieten einen Haufen Möglichkeiten, entspannt den Tag zu genießen.

Apropos Entspannung, der dalmatische Kroate an sich ist recht entspannt, von Hektik ziemlich weit entfernt. Das muss einfach am Klima liegen, dass Südeuropaer einfach entspannter sind.

Lotti hat die Zeit am Meer geliebt, sie liebt Schwimmen! Herrlich zu sehen, wie glücklich unser Bordermädchen ist!

Leute, wenn ihr mal so drei Wochen am Stück frei habt und nicht wisst, was ihr anstellen sollt, dann fahrt nach Dalmatien! Es IST traumhaft!