Dunkle Phasen und Lichtblicke

gibt es so gut wie für Jede(n), der eine chronische unheilbare Krankheit hat. Oft scheinen die dunklen Phasen zu überwiegen, aber das liegt daran, dass sie uns viel länger im Gedächtnis bleiben, weil sie uns so viel mehr beschäftigen, so viel mehr abverlangen als die Lichtblicke.

Das Monatsthema auf Einblick.ms-persönlich beschäftigt sich diesen Monat genau mit diesen beiden Seiten.

Dunkle Phasen & Lichtblicke

Was bedeutet es, wenn die Depression zuschlägt? Wenn alles sinnlos erscheint? Gibt es Antworten? Oder nur blöde Phrasen?

Swenja berichtet, wie sich die Hilfebedürftigkeit in ihr Leben geschlichen hat und was ihr Mann in diesen Zeiten für sie bedeutet.

Es ist okay

Jens, der Ehemann von Swenja erzählt seine Sichtweise, als seine Frau an MS erkrankte

Bei empfindlichen Nervenenden – Samthandschuhe

Lara erzählt ihrem MS Tagebuch von ihrer bisher schlimmsten Depressionsphase während der langen Regenzeit in Thailand.

Der Tag, an dem nichts mehr ging

Und meine eigene Sichtweise auf depressive Phasen. In meiner Welt spielt sich alles in Bildern und Farben ab und das spiegelt sich auch in meinem Beitrag wider.

Die Anwesenheit aller Farben

Geben und Nehmen

Hilfe geben und Hilfe annehmen

Wie schwer ist das? Hilfe annehmen

Wir helfen alle gern, aber die meisten nehmen nicht gern Hilfe an. Warum ist das so? Uns selber macht es doch auch froh und glücklich, wenn wir Anderen helfen können! Warum sprechen wir das anderen Menschen ab, die uns helfen wollen?

Vielleicht weil es uns selber unsere momentane Hilflosigkeit oder unsere Hilfebedürftigkeit so deutlich vor Augen führt. Uns muss geholfen werden, wir haben Hilfe nötig!

Der Supergau!

Wirklich? Ist das so? Mensch neigt ja dazu, eigene Unzulänglichkeiten maßlos zu übertreiben. Wenn uns eine einzige Fähigkeit fehlt, fühlen wir uns gleich komplett hilflos, inkompetent, lebensunfähig!

Es kratzt einfach an unserem Ego, wenn wir um Hilfe bitten müssen. DAS ist der Grund!

Und es ist das Monatsthema von Einblick.ms-persönlich im Juni

Lara beschreibt ganz wunderbar, was Hilfe annehmen für sie bedeutet:

Geben und Nehmen

Seongmin ist Laras Freund, Südkoreaner und ihn verwundert manchmal unsere “Hilfskultur”

Warum ich meiner Freundin nicht helf

Patrick ist Highdiver, ist in der Nationalmannschaft und reist mit ihr um die Welt. Er dreht Videos von seinen spektakulären Aktionen und beschreibt, was Hilfe für ihn bedeutet:

Die zwei Seiten der Hilfe-Medaille

Lennart ist Patricks Freund und er beschreibt, wie er Hilfe aus Freundessicht erlebt

MS trifft dich – und es gibt keinen richtigen Zeitpunkt

Es gibt, wie immer, sehr viel mehr zu lesen und erfahren, schaut rein!


Kunst und Krieg

Die Nachrichten zu sehen, erfordert viel Mut. Überall Konflikte, Auseinandersetzungen, Hab- und Machtgier und Unvernunft.

Dabei lehrt doch die Geschichte, wohin das alles führen kann. Menschen sind so wenig lernfähig. Angst macht mir, dass Antisemitismus und Fremdenhass, rechtes Gedankengut sind in der Mitte der Gesellschaft wieder angekommen.

Willkommen im Deutschland der Dreißiger Jahre. Damals hat es kein gutes Ende genommen.

Was mich bewegt dazu, habe ich in einem Bild festgehalten.

Pastellkreide auf Karton, Din A2

Wir vergessen zu schnell, wohin Hass und Nationalismus führen können.

We forget too fast, where hatred and nationalism can lead

Der junge Luftwaffensoldat ist im September 1944 nur 19-jährig in Italien gefallen.

Die zwei Seiten der Wahrheit

Sie sind allgegenwärtig, wenn man sich mit dem Thema Multiple Sklerose beschäftigt.

Die Durchhalteparolen
Die “wir schaffen das”
Die “wir lassen uns nicht unterkriegen”
Die “wir pfeifen der MS was”

Das stimmt-

aber nur zum Teil.

Es ist nur die halbe Wahrheit. Ich laufe ein paar Jahre mit der ollen Tante MS herum. Ich bekomme keine Medikamente, weil es so gut wie nichts gibt gegen den Primär Progredienten Verlauf. Das ist auch nicht schlecht, so habe ich wenigstens nicht mit deren Nebenwirkungen zu kämpfen.

Aber da ist ein anderes Gesicht der Krankheit.

Eine Krankheit wie MS frisst dich von innen auf, zunächst nicht sichtbar für den Betrachter von außen, nicht sichtbar für den Betroffenen selbst. Aber es tut es. Unaufhörlich.

Es isst, mampft, verdrückt jeden Tag ein Stück von dir selbst, bis nichts mehr von dir übrig ist.

Es gibt irgendwann nur noch das, was die MS zulässt, was sie am Leben lässt, was ihr genehm ist.

Das, was deine Persönlichkeit ausgemacht hat, verschwindet immer mehr, du wirst immer mehr zu einem Wesen, das es eigentlich nicht gibt, das es nicht geben dürfte. Fast alle deine Eigenschaften, dein Charakter, dein Wesen verändern sich.

Meine Geduld ist dahin, ich platze bei der geringsten Kleinigkeit.
Ich kann kein neues Buch mehr lesen, das ein wenig anspruchsvoll ist, da ich auf Seite 7 nicht mehr weiß, was auf Seite 3 passiert ist und wo die ganzen Personen herkommen oder hinwollen.
Ich kann Gesprächen nicht mehr folgen, ich muss mittags schlafen, damit ich nicht abends um acht ins Bett gehen muss.
Alles, was ich mir vornehme, kann ich nur noch zum Teil umsetzen, weil mir die Kraft fehlt.
Das ließe sich beliebig fortsetzen.

Das Schlimmste von allem: es besetzt meine Seele. Es ist dunkel geworden, da wo sonst immer eigentlich die Sonne schien.
Wir haben als Familie alles geschafft:
Ich habe eine Alkoholiker-Herkunftsfamilie und habe einen Alkoholiker geheiratet, ich habe mich getrennt und mich allein mit zwei kleinen Kindern durchgeschlagen. Den Selbstmord meines Lebensgefährten ein paar Jahre später habe ich auch geschafft.
Den Missbrauch meines Kindes habe ich auch irgendwie weggesteckt und auch den Tod der Freundin meiner Tochter mit 15 Jahren. Auch den abgebrochenen Kontakt zu meiner Herkunftsfamilie und zur Familie meines jetzigen Mannes habe ich weggesteckt. Dass unsere Nachbarn uns seit Jahren das Leben schwermachen, schaffe ich inzwischen zu ignorieren. Der Tod meiner geliebten Hündin hat mir jedoch dann doch  den Rest gegeben.

Irgendwie ist es nun aufgebraucht, es ist nichts mehr da, das meine Sonne erhellt, oder das mir hilft, fröhlich zu bleiben bei allen Defiziten. So fühlt es sich an. Da, wo immer Sonne war, ist es dunkel geworden, ruhig.

Warum schreibe ich das hier?

Weil es dazugehört zur Wahrheit über eine solche Krankheit, die in ein Leben bricht, das wie bei vielen Anderen auch, schon genug Einträge hinterlassen hat.

Die Stille danach

Ich habe mich rar gemacht in letzter Zeit. Hier und auch auf Facebook.

Ich brauchte meine Energie anderweitig.

Wir haben den Kampf verloren. Mein geliebtes Boxermädchen ist am 23.11.2017 von ihrem Krebsleiden erlöst worden, bevor es ihr Schmerzen verursachen konnte.

Der Einschlag war furchtbar.

Es tut schrecklich weh. Sie fehlt mir so. Ihr Anblick, ihr Geruch, ihre Liebe zu mir.

Unsere ganze Familie trauert. Aber sie war mein Hund, mein Ein und Alles neben meiner zweibeinigen Familie.

Sie schläft jetzt im Garten, frei von Schmerz und Krebs.

Adieu Ozeana, du wirst immer in meinem Herzen sein, da wo es am Wärmsten und Schönsten ist.