Zeitdruck mit und durch die Multiple Sklerose

Gibt es das tatsächlich? Wieso sollte ich Zeitdruck durch eine chronische Erkrankung haben?

Doch, das ist tatsächlich so, und das betrifft fast alle chronisch Erkrankten, habe ich festgestellt.

Das Gefühl, keine Zeit zu haben, weil die MS dir womöglich eines schönen Tages alle Entfaltungs- und Gestaltungsmöglichkeiten nimmt, wird übermächtig!

Auch Einblick.ms-persönlich hat sich im März diesem Thema gewidmet:

Alex beschreibt ihren Lebenswunsch, und wie sehr sie die Angst treibt, dass sie diesen Wunsch womöglich nicht realisieren kann:

Tick tack

Gina fällt auf, dass sie mit Stress und Zeitdruck, den Familie und Selbständigkeit mit sich bringen, sehr gut meistern kann

Warum Zeitdruck mit MS (doch) nicht sein muss

Nils scheibt über die Kostbarkeit der Zeit


Kostbare Zeit

Peter beschreibt aus Angehörigensicht, was ein Neustart nach MS für den Betroffenen selber, aber auch für das Umfeld bedeutet und dass es da durchaus verschiedene Schlussfolgerungen geben kann:

RESET: Keine Macht der MS!

Ich bin sicher, dass sich Betroffene, Angehörige und auch Freunde, Nachbarn in diesen Beiträgen wiederfinden! Viel Einsicht beim Lesen wünsche ich euch!

Kleine Scherben

Manchmal zerbrechen Dinge ganz plötzlich. Zack, sind sie kaputt. Man hat nicht damit gerechnet und im nächsten Moment ist es passiert. Es liegt in Scherben.

Bei alltäglichen Dingen ist das kein Drama, man fegt es auf, schmeißt es in den Mülleimer und hat es dann auch schon vergessen. Das Einzige, was vielleicht nachhallt, ist der Ärger über die eigene Ungeschicklichkeit.

Bei Dingen, die mit einer Erinnerung verknüpft sind, ist es anders. Wenn diese Dinge zerbrechen, passiert etwas mit  uns und unserem Gemüt.

Es zerbricht mehr als nur ein kleiner Gegenstand.

Herbstblaetter

Manchmal gehen Dinge langsam dahin. Erst ist nur an kleinen Stellen der Lack ab, die Farbe ist nicht mehr so frisch, man hat das Gefühl, der Staub der Jahre lässt sich nicht mehr ganz entfernen.

Es ist auch nicht so, als ginge es kaputt, es schwindet irgendwie, so als würde es langsam aber sicher kleiner, weniger werden.

Mir geht es mit kleinen Dingen so, die ich aus nostalgischen Gründen aufgehoben habe.

Kleine Basteleien aus der Kindergarten- und Schulzeit der Kinder.

Ein kleiner Blumenanstecker von einem längst vergangenen Fest.

Eine kleine Haarspange, an der die kleine Blume abgegangen ist, die ich längst hätte kleben wollen. Nun braucht sie Keiner mehr. Aber sie ist immernoch da. Auch die kleine abgebrochene Blume ist noch da.

Das blaue Tontier, das auf meiner Fensterbank steht, wo Keiner weiß, was es eigentlich für ein Tier ist. Ihm fehlt inzwischen ein Ohr, aber es steht nach wir vor dort und zählt eisern Tage, Wochen, Monate und Jahre.

Diese Dinge sind wie Zeitzeugen, die stumm aber bestimmt darauf hinweisen, dass Zeit vergeht. Immer und unaufhörlich.

Diese Dinge gehen auch nicht kaputt, auch wenn sie tatsächlich plötzlich zerbrechen. Sie schwinden, verwehen, hallen immernoch nach.

Sie erinnern an Zeiten, Ereignisse, Reisen oder auch vergangene oder bestehende Lieben.

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Sie können tröstlich und irgendwie warm sein und uns glücklich machen. Dann sollten sie den Platz auf der Fensterbank und in unserem Blickfeld behalten.Sie machen unser Hier und Heute reicher und irgendwie glücklicher.

Sie können unsagbar schmerzlich erinnern an Zeiten, die man sich sehnlichst zurückwünscht, weil ein Glück zerbrochen ist, weil ein Schicksalsschlag uns getroffen hat oder weil gute Zeiten einfach vergangen scheinen.

Ich kenne viele Menschen, die diese kleinen schmerzenden Zeugen des eigenen Lebens sammeln und horten wie einen Heiligenschrein. Überall stehen sie herum, diese stummen Mahner vergangener glücklicher Tage.

Manchmal kommt es mir so vor, als fänden diese Leben nur noch in  Erinnerungen statt. Wie schön es doch war und wie schade, dass es so lange vergangen ist.

Hier und heute findet nicht mehr statt. Die Gegenwart wird zum Feind der eigenen Lebenszeit. Je mehr Zeit vergeht, jede Minute, jede Stunde bringt Einen weiter weg von diesen Erinnerungen, weg von diesen Zeiten, die so schön waren.

Dann ist es an der Zeit, diese Dinge in einen Karton zu legen, gut zu verpacken, sich zu verabschieden und sie ihrer Zeit zu überlassen.

Ich habe das vor einigen Jahren recht konsequent getan. Alle Erinnerungsstücke, die mit einer traurigen oder negativen Erinnerung verknüpft waren, habe ich entweder weggeworfen oder sorgfältig eingepackt, bis der Tag kommt, an dem ich mich endgültig trennen kann.

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Ich habe mich selten so befreit gefühlt.

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